Die Reise beginnt

Raus aus Buenos Aires

Die Ausreise aus Buenos Aires gestaltet sich schwieriger als gedacht. Gera, unser Gastgeber, sowie alle anderen, raten uns, auf keinen Fall mit dem Fahrrad aus BA heraus zu fahren. „Es muy lejos y muy peligroso“! Wir wuerden in der Agglo sofort ausgeraubt. Also entscheiden wir uns, einen Bus zu nehmen. Gera erkundigt sich bei diversen Busunternehmen, ob und wie die Mitnahme von den Velos moeglich ist. Leider Fehlanzeige. Wir probieren es trotzdem, packen alle unsere Sachen und machen uns auf den Weg zum Retiro Terminal, welches sich in den „Favelas“ von BA befindet. Also auch da, Wertsachen am Koerper tragen und zuegig von A nach B. Die Anreise zum Terminal verlaeuft jedoch sehr entspannt. Schon auf den ersten paar hundert Meter werden wir mehrmals von Einheimischen auf unsere Veloreise angesprochen und ausgefragt. So gut wir koennen, geben wir Antwort in gebrochenem spanisch. Im Terminal angekommen haben wir Glueck und finden ein Busunternehmen, welches die Mitnahme von Velos erlaubt, jedoch nur in einem Karton verpackt. Jedoch scheint der Karton ausgegangen zu sein…Niemand weiss es so genau. Wir kaufen uns trotzdem zwei Bus Tickets nach Las Flores und warten mit unverpackten Fahrraedern auf den Bus. Als er ankommt, sind die Busfahrer zuerst uneinig, ob sie uns mitnehmen wollen. Schlussendlich ist die Antwort „Si“, aber nur gegen Bezahlung – it’s all about money. Wir bezahlen ohne zu feilschen und sind froh, als wir dann sicher im Bus nach Las Flores sitzen.

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Als wir in Las Flores ankommen ist es bereits dunkel. Auf Googlemaps haben wir gesehen, dass es einen „Camping Muncipal“ gibt. Ob dieser jedoch offen ist in dieser Jahres- und Tageszeit, wissen wir nicht. Die zwei Frauen die wir fragen, auch nicht. Sie versichern uns jedoch, dass wir ohne Probleme auch in der Dunkelheit zum Camping fahren koennen um nachzuschauen. Das tun wir dann auch. Las Flores wirkt wie ausgestorben. Ausser „los perros“ (die Hunde) sind aktiv. Bei einem Supermercado, der eigentlich bereits geschlosse hat, uns aber netterweise doch noch rein laesst, kaufen wir noch eine Dose Thon und Oliven fuer das Nachtessen. Als wir dann beim Camping ankommen, stellen wir fest, dass dieser „Camping Muncipal“ einfach ein offener Park mit WC’s und Lavabos ist. Wir registrieren uns bei einem aelteren, sehr freundlichen Mann, welcher ein kleines Haus auf dem Grundstueck hat und bezahlen rund 120 Pesos (ca. 3sfr.) fuer beide. Wir sind die Einzigen Camper und suchen uns ein Platz moeglichst nah an disesem Haus und der Polizeistation, welche sich ebenfalls dort befindet. Es ist uns etwas mulmig zu mute. Aber es geht kaum fuenf Minuten, schon haben wir einen „Beschuetzer“ an unserer Seite. Es ist ein dunkler, mittelgrosser Hund welcher uns schwanzwedelnd ueberall hin begleitet und uns die anderen Hunde vom Leib haelt. Nach dem Essen fallen wir dann todmuede in den Schlafsack. Die Nacht ist eher unruhig. Unser neuer Amigo knurrt und bellt oefters und scheint als Wachhund gute Arbeit zu leisten.

Las Flores – Cacharí

 

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Am Morgen wachen wir frueh auf. Als wir aus dem Zelt kommen, stehen rund sechs Maenner staunend um unsere Velos herum. Sie befragen uns woher wir sind und wohin wir gehen. Danach machen wir uns auf ins Zentrum von Las Flores um Wifi zu suchen. Bei Tag zeigt sich das Dorf sehr sauber und angenehm. Die Leute sind freundlich und hilfsbereit. Das beste Wifi und ebenfalls die besten WC’s finden wir bei den Tankstellen – good to know. Danach geht’s los. Unser erster offizieller Reisetag mit dem Fahrrad. Freude herrscht! Aber nicht den ganzen Tag…Um nicht auf der Hauptstrasse mit viel Verkehr fahren zu muessen, nehmen wir eine ungeteerte Nebenstrasse. Die Haelfte der Strecke ist so einigermassen gut zu bewaeltigen. Nach der Mittagspause in Pardo jedoch verschlechtern sich die Strassenverhaeltnisse zusehends. Wir entscheiden doch auf die Hauptstrasse zu wechseln, muessen aber zuvor noch durch Schlamm und Wasserueberflutete Wege stampfen und das Velo zwischendurch immer wieder stossen. Verschwitzt und mit nassen Fuessen erreichen wir dann irgendwann endlich die „Ruta 3“. Es stellt sich heraus, dass es einen breiten Nebenstreifen gibt auf dem wir gefahrlos bis nach Cacharí kommen. Dort angekommen entdecken wir den Camping Muncipal sofort und werden von einem ueberaus freundlichen und grosszuegigen Mann begruesst. Spaeter gesellt sich noch ein weiterer Radreisender aus Argentinien zu uns auf den Camping. Das Zelt duerfen wir unter dem Dach aufstellen, da es ploetzlich heftig zu regnen beginnt. Wir werden alle zu einem leckeren Eintopf mit Kartoffeln, Fleisch, Pasta und Gemuese vom Camping – Chef eingeladen und verbringen den Abend in sehr netter und lustiger Gesellschaft, auch wenn wir uns gegenseitig nicht immer verstehen.

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Ein entgleister Zug. Irgendwo im Nirgendwo.

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Der Mann rechts; Campingbesitzer, Clown und Ballonkuenstler.

Cacharí – Azul

Am Morgen werden wir dann schon wieder mit frischem Kaffee und „Medialunas“ (Gipfeli) verwoehnt. Und das alles ist gratis. Fuer die weiterreise machen wir uns noch auf die Suche nach einem kleinen Rueckspiegel fuer das Velo, damit wir auf den viel befahrenen Strassen einen besseren Ueberblick bekommen. Da wir nichts passendes finden, machen wir uns ohne auf den Weg auf der „Ruta 3“ nach Azul. Schon nach den ersten paar Minuten wird uns klar, dass wir die geplanten 55 Kilometer mit diesen Windverhaeltnissen nicht schaffen werden. Also entweder umkehren und eine weitere Nacht in Cacharí, oder Autostop. Umkehren ist fuer Franziska keine Option. Also weiter um einen geeigneten Autostopp – Platz zu finden. Nach einer Stunde machen wir Mittagspause an so einer Art Raststaette (nur das da fast nichts war). Wir probieren es nochmals mit Autostopp. Und als wir gerade aufgeben und weiterfahren wollen, nimmt uns gluecklicherweise ein Lastwagenfahrer fuer die letzten 30 Kilometer mit. Martín ist ausgesprochen gespraechig, auch wenn wir die Haelfte nicht verstehen. Er hat in seinem Lastwagen sein Bett und ein Gaskocher um seinen Mate Tee zuzubereiten. Wirklich alle trinken hier Mate Tee! In Azul laedt er uns ab und wir fahren nur noch wenige Kilometer bis zum Camping, froh, dem Wind entkommen zu sein. Als wir unser Zelt aufgebaut haben, kommt ebenfalls der Marihuana Rauchende Argentinier vom letzten Camping hinzu und leistet uns Gesellschaft. Wir kochen das erste Mal selber und lassen uns Penne mit Tomatensauce, Kichererbsen und geriebenem Kaese schmecken. Sobald die Sonne weg ist, wird es sehr schnell kalt. Bei einem Feuer und warmen Tee bringen wir die Stunden vorueber bis es um 21 Uhr endlich ok ist, schlafen zu gehen.

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Es ist am Morgen sehr kalt, und unsere Schuhe sind immer noch nass…

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