Viel Regen und „s’Brot treibt“

Früh am Dienstagmorgen machen wir uns auf den Weg nach Carhué, via Daireaux und Guamini.

Bolívar – Daireaux 79km

Um 8 Uhr stehen wir auf, um die 79km nach Daireaux früh in Angriff zu nehmen. Wir verabschieden uns von Andrea und fahren los zur nächsten Bäckerei um Proviant für die Strecke einzukaufen. Noch bevor Franziska die Bäckerei verlässt, kommt aber schon Andrea angefahren. Wir haben all user Essen bei ihr im Kühlschrank vergessen und sie ist uns extra nachgefahren um uns das Essen zu bringen. Danke Andrea! Zuvor hatten wir noch Witze gemacht, dass uns das Gepäck bereits viel leichter erscheint..

Wir verlassen den schönen Ort, fahren zuerst ein paar Kilometer gegen den Wind und biegen dann Richtung Daireaux ab. Heute haben wir starken Rückenwind und halten ohne Probleme einen Schnitt von 33km/h. Dazu kommt, dass heute die Lastwagenfahrer streiken (gegen Macri) und die Strassen deshalb praktisch leer sind.

Ohne uns gross anzustrengen, haben wir deshalb schon vor 12h00 einen grossen Teil des Weges hinter uns und entschliessen uns z’Mittag zu essen. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz fahren wir noch ein paar Kilometer, bis am Wegrand plötzlich ein wackeliger Unterstand aus Bambus und Planen auftaucht. Daneben steht ein uraltes Auto mit Anhänger und ein Mann bereitet auf einem Grill sein Mittagessen zu. Dachten wir jedenfalls.. Tatsächlich ist es aber ein Streetfoodstand. Der Verkäufer freut sich, trotz Streik heute doch noch ein paar Kunden zu haben und beginnt sofort sich über Macri zu beschweren. Wir gönnen uns ein Choripan, essen unseren Salat und machen uns nach einer längeren Diskussion, über Korruption und die Welt, wieder auf den Weg.

Ca. um 13h30 treffen wir in Daireaux ein. Daireaux ist eine kleine Stadt mit 10’000 Einwohnern und wurde durch französische Einwanderer gegründet. Mit dem Niedergang der Argentinischen Eisenbahn verlor auch diese Gemeinde an Bedeutung. Attraktionen gibt es nur wenige und wir waren wohl die ersten Touristen dieses Jahres.

Da es keinen Camping gibt, haben wir bereits am Vortag einen der wenigen Couchsurfer angefragt. Segundo ist zwar selbst auf Reisen, mangels Optionen schreiben wir ihm dennoch eine Nachricht. Und das lohnt sich! Segundo antwortet sofort und ist Feuer und Flamme jemanden beherbergen zu können! Er ist mit seinem Bruder seit zwei Jahren am Reisen (Hitchhiken/ „hacer dedo“), was für ihn ohne Couchsurfen nicht möglich wäre. Er ist voller Enthusiasmus, weil er endlich etwas der Gemeinschaft zurückgeben kann und bringt uns bei seiner Familie unter. Das Ganze lässt sich am einfachsten so beschreiben: Wow!! Treffpunkt ist die Farmacia seiner Mutter. Sie holt uns gleich ab und zeigt uns ihr Zuhause. Ein wunderschönes Haus mit Sitzplatz und Pool. Sie muss noch arbeiten gehen und gibt uns noch ein paar Tipps für Daireaux. Segundo hat aber ohnehin bereits arrangiert, dass wir mit einem seiner Freunde und seiner Circusgruppe in ein Barrio fahren können um etwas einzigartiges zu erleben. Leider verpassen wir den Treffpunkt und erkunden die Stadt deshalb auf eigene Faust. Um 22h00 sind wir auf Abendessen wieder zurück bei Segundos Eltern. Es gibt selbstgemachte Empenadas und wir werden regelrecht verwöhnt! Ein toller Abend! Sein Vater ist Landwirt, und amüsiert sich noch etwas über die grösse von Schweizer Bauernhöfen, bevor um 00h30 Nachtruhe herrscht.

Daireaux – Carhué 145km

Um 7.00 Uhr am nächsten Morgen klingelt bereits wieder der Wecker. Eine leichter Kater macht sich bemerkbar – der Anisschnaps am Vorabend war dann wohl doch zu viel. Auf dem Esstisch wartet bereits wieder ein schmackhaftes Früstück auf uns. Mutter Andrea teilt uns mit, dass ihr Mann bereits zur Arbeit aufgebrochen ist und uns aber um 9.00 Uhr bei der nächsten YPF Tankstelle trifft und helfen wird, ein Transport bis nach Guaminí zu finden. Da Wind und Wetter sich gegen uns stellen, sind wir für diese Unterstützung sehr dankbar. Nach dem gemütlichen Frühstück also los zur Tankstelle.

Dort angekommen warten wir noch eine ganze Weile bis Carlitos dazu kommt. Wir trinken nochmals einen Kaffee zusammen und plaudern über seinen Bauernhof. Irgendwan meint er „entonces, vamos!“ Draussen fährt sein Mitarbeiter vor mit einem Pickup und kurzerhand fährt Carlitos uns selber gleich bis fast nach Carhué! Guaminí hätte nicht viel zu bieten und die Strecke von Guaminí nach Carhué hätte mucho traffico. Über diese Entscheidung sollten wir noch sehr froh sein…Die restliche Strecke bis ganz nach Carhué (30km) radeln wir dann noch mit heftigem Rückenwind entspannt und vorfreudig.

Carhué zählt ca. 10’000 Einwohner und liegt am grossen Lago de Epecuén, welcher einen rund zehn Mal höheren Salzgehalt als der des Meeres aufweist und somit weltweit das zweit salzigste Gewässer ist (nach dem toten Meer). Villa Epecuén, ein Nachbarort von Carhué, war früher ein blühender Touristenort. Durch starke Regenfälle wurde das gesamte Dorf aber innert kürzester Zeit überschwemmt. Zurück blieben Ruinen. Wikipedia: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Villa_Epecuén

Carhué macht auf uns einen gemütlichen Eindruck. Da wir wieder kurz nach dem Mittag ankommen herrscht tote Hose. In einer Eisdiele el hado genehmigen wir uns einen Kaffee und checken die Adresse von Sofia, unserer nächsten Couchsurferin. Sie wohnt zusammen mit ihrer abuela in einem kleinen barrio vor Carhué. Als wir dort einfahren erwarten uns Hunde, schlichte Häuschen und ungeteerte, schlammige Wege. Sofia macht auf uns sofort einen sehr freundlichen und offenen Eindruck. Ihre Grossmutter ebenfalls, welche uns zur Begrüssung gleich einen Schmatzer auf die Wange und auf den Mund drückt?! – Die argentinische Begrüssung ist immer mit Kuss auf die Wange, egal welches Alter und wie lange man sich kennt – Ihr Zuhause ist ordentlich und angenehm warm. Wir setzen uns und plaudern. Draussen regnet es in Strömen. Es stellt sich heraus, dass die Eltern der Grossmutter russisch- deutscher Abstammung waren und sie früher Zuhause oft deutsch gesprochen haben. Es wird ein sehr lustiger Abend und der Abuela fallen immer mehr deutsche Wörter wieder ein: „Schlachterei“, „s’Brot treibt“, „magst was trinkn“. Sofia lebt sehr Körperbewusst, kocht biologisch und stellt selbst Kefir-Drinks her. Wir backen zusammen ein Vollkornbrot, das Erste seit wir von Zuhause aufgebrochen sind. Es schmeckt wunderbar! Für die Nacht überlässt uns Sofia ihr Zimmer, wo wir dann rasch einschlafen.

Am nächsten Tag möchten wir unsere Weiterreise planen. Da die Wettervorhersage deutlich gegen unser Vorhaben, mit dem Rad weiter bis nach Santa Rosa zu reisen spricht, entscheiden wir uns, einen Bus irgendwohin zu nehmen und nochmals eine längere Pause einzubauen. Beim Busterminal wird uns gesagt, dass die Mitnahme von unseren Velos kein Problem darstellt und dass wir so bis nach Bahia Blanca an die Ostküste fahren können. Danach gehen wir ins Termal Bad. Für in den See ist es nun doch wirklich zu regnerisch und kalt bei 9 Grad. Das Termalbad befindet sich in einem *** Hotel, ist recht klein und einfach, obwohl es das luxuriöseste sein soll im Ort. Egal, das Treibenlassen im stark salzhaltigen Wasser ist der Hammer! Wir geniessen ein paar Stunden voller Erholung und Entspannung.

Danach wäre eigentlich ein kleiner Ausflug zu den Ruinen von Villa Epecuén angesagt gewesen, wegen dem strömenden Regen mit den Fahrrädern leider aber nicht machbar. Deshalb machen wir uns wieder auf zur Eisdiele vom Vortag um unsen riesegen Hunger zu stillen. Um die Öffnungszeiten des el hado zu checken, gehen wir auf dessen Facebook Seite und siehe da:

Danach das Erste mal in die Schweiz telefoniert…Que los cumple feliz, Ramona! 🙂

Der restliche Nachmittag und Abend verläuft weniger planmässig. Mehrmals fahren wir zum Busterminal um unsere Optionen zu überprüfen. Da es aber jedes mal doch wieder etwas anderes heisst, müssen wir doch einfach auf gut Glück probieren, ob sie uns mit den Velos mitnehmen oder nicht. Zum zNacht kochen wir noch einen leckren Linseneintopf und fallen dann müde ins Bett.

Carhué – Pigūé 63km

Der Wetterbericht hat leider nicht gelogen und es regnet weiterhin stark. Sofia und Franziska gehen um 08:30 los um unseren Transport zu organisieren. Diesmal beim privaten Speditionsunternehmen mit Kleinbus. Doch wieder weisen sie uns an, mit beiden Fahrrädern um 10:15 vorbeizukommen, um zu testen ob der Bus genügend gross ist. „Probare“. Franziska spurtet zurück zu unserer Unterkunft, wir packen in Windeseile und sind mit leichter Verspätung wieder beim Spediteur. Natürlich hat der Bus genügend Platz und wir warten weitere zwei Stunden bis der Bus abfährt. Naja, auf jeden Fall haben wir einiges über argentinische Arbeitsmentalität gelernt.

Um 14:00 erreichen wir Pigüé. Der Regen ist immer noch stark und hat einige Strassen geflutet. Wir fahren zur Wohnung von Martin, unserem heutigen Gastgeber. Er ist zur Zeit noch in Brasilien, deshalb haben wir seine Wohnung für eine Nacht für uns alleine. Den Schlüssel kriegen wir von Maxi, seinem Nachbarn.

Draussen ist es weiter kalt und regnerisch. Wir gönnen uns noch ein Bier im Angry Beer, kochen zu Hause und machen uns dann einen gemütlichen Abend.

Ein Gedanke zu “Viel Regen und „s’Brot treibt“

  1. Holà amigos! Mir freuet üs immer sehr über euri interessante Brichtli! Sooo spannend, was ihr dörfet erläbe! Mir wäret am liebschte au grad debi:-) Bis zum nächste Abentür! Beso

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