Chiloé – eine Insel zwischen zwei Fähren

Puerto Montt – Dalcahue 170km

Früh am Morgen machen wir uns auf, damit wir zusammen mit Nicole das Haus verlassen können. Sie erzählte uns, dass andere Couchsurfer einmal ihre Schlüssel irgendwo verlegt hatten nachdem sie gegangen seien, und sie alle Schlösser austauschen musste. Wir fahren los Richtung Ruta 5, der berühmten Panamericana, und bahnen uns unseren Weg durch den dichten Morgenverkehr der Stadt. Etwa nach 45min. haben wirs geschafft und befinden uns auf der Autobahn. Es gibt einen breiten Pannenstreifen, wo wir gut vorwärts kommen, während die Autos, Lastwagen und Busse mit 120kmh an uns vorbei rauschen.

Vorgestern hatten wir sogar Jogger auf der Autobahn entdeckt. Von dem her ists nicht ungewöhnlich, dass man auch ab und zu ein Velofahrer sieht, nur heute sind wir wohl die Einzigen. Aber alles halb so schlimm, nur die Aus- und Einfahrten sind kritisch und es braucht gutes Timing und Konzentration um heil davon zu kommen. Glücklicherweise wird der Verkehr immer weniger und zwischendurch zeigt sich sogar die Sonne. Wir ziehen die ersten 60km mit Tempo durch und sind schon bald in Pargua, wo wir ein super Timing haben und gleich auf die Fähre drauf fahren können.

Wir bezahlen insgesamt 10’000 Pesos (ca. 15.-). Als wir los fahren beginnt es wieder zu Regnen und der Wind ist eisig kalt. Eigentlich hatte es schönes Wetter für heute angesagt. Aber auf einer Insel und direkt am Meer ist das Wetter nur sehr schwierig voraus zu sehen. Auf Chiloé angekommen, suchen wir ein Kaffee um uns aufzuwärmen. Leider vorerst Fehlanzeige weshalb wir im Schutz einer Veranda erstmal etwas Essen und die Aussicht auf unsere erste chiloénische Kirche geniessen.

Chiloé’s Kirchen sind Teil des Unesco Weltkulturerbes und sind in typischer Bauweise nur aus Holz hergestellt. Ausserdem wird erzählt, dass Chiloé das Herkunftsland der Kartoffel ist. In Chile gibt es über 200 Kartoffelsorten!

Nach der Stärkung machen wir uns auf nach Ancud, wo hoffentlich besseres Wetter auf uns wartet, denn es regnet bereits wieder in Strömen, die Sicht ist schlecht und die Strassen ebenfalls. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht von einem grossen Fernbus angefahren werden. Allgemein sind die Fahrzeuglenker weniger rücksichtsvoll als noch in Argentinien…Und tatsächlich, als wir hinuter nach Ancud fahren, scheint die Sonne. Kurz vor dem Dorf überqueren wir eine Brücke welche über das Meer führt. Es herrscht Ebbe, weshalb überall kleine Inseln zu sehen sind. Beim vorüber fahren entdecken wir dort plötzlich ein paar wenige, kleine Pinguine. Man hatte uns bereits gesagt, dass es zwar Pinguine auf der Insel gibt, sie aber zu dieser Jahreszeit kaum zu sehen sind und wenn, dann müsse man mit einem Boot raus fahren. Also sind wir wieder glücklich. Urs freut sich. Danach suchen wir den auf Googlemaps vermerkte Camping, finden aber stattdessen ein Hotel mit Camping und wunderschöner Aussicht aufs Meer.

Wir sind wie (fast) immer die Einzigen Camper und nehmen uns den besten Platz um das zNacht bei Sonnenuntergang und dem Rauschen des Meeres zu geniessen. Danach ab ins Bett. Wir sind müde, es war ein langer, harter Tag.

Am nächsten Morgen scheint die Sonne und Fränzi lacht und tanzt. Wir machen uns auf ins Dorfzentrum um einzukaufen. Ancud ist ein hübsches Dörfchen, die Strassen sind belebt und wie überall gibts ein Markt um Fisch, Kartoffeln, Gemüse und Accessoires. Von überall her ertönt frohe Musik und die Menschen machen einen zufriedenen Eindruck.

Dann gehts los, die nächsten 70km bis nach Dalcahue. Heute sind die Strassenverhältnisse besser und bei Sonnenschein wirkt die Landschaft viel schöner und vielfältiger.

Es ist ein stetes Auf und Ab. Tunnels kennen die Chilener kaum. So machen wir auch heute wieder einige Höhenmeter und sind froh, als wir gegen 17Uhr in Dalcahue auf dem Camping ankommen. Wieder haben wir eine super Aussicht auf den Hafen und geniessen nach dem Zelt aufstellen noch die Abendsonne an der Küstenpromenade.

Überall laufen geschminkte und verkleidete Kinder herum. Es ist Halloween. Zum zNacht gibts das Erste mal, auf Wunsch von Franziska vegetarisches Bami Goreng, super lecker!

Dalcahue – Quellón 84km

Heute stehen voraussichtlich nur 18km auf dem Plan. Wir lassen uns Zeit beim Frühstücken und machen uns um 12h00 auf den Weg Richtung Castro. Castro ist der Hauptort dieser Insel und berühmt für seine von Fischern errichteten Pfahlbauten. Der Ort liegt auf einem Hügel in einer geschützten Bucht. Diese bevorzugte Lage hat ihn wiederholte Male vor den durch die Erdbeben ausgelösten Tsunamis bewahrt. Für uns ist dies zugleich der letzte Ort auf der Insel, da wir von da mit der Fähre nach Chaitén fahren werden.

Die 18km erweisen sich als anstrengender als erwartet. Die Insel ist weiterhin sehr hügelig und wir benötigen für die Strecke beinahe zwei Stunden. Dies liegt auch daran, dass sich nun die 170km der vorherigen Tage in den Beinen bemerkbar machen. In Castro angekommen, gönnen wir uns erst mal einen Kaffee und machen uns dann zum heutigen Camping auf. Zwar ist Regen angesagt, wir planen aber sowieso am nächsten Tag die Fähre zu nehmen. Doch alles kommt etwas anders als gedacht. Der Camping, den wir am Vortag ausgewählt haben, ist verwaist und lediglich der Rasen eines (baufälligen) Schulhauses. Zum Glück gibt es hier noch weitere Zeltplätze leicht ausserhalb der Stadt. Doch die erweisen sich entweder als unbesetzt, im Bau, Müllhalden(!) oder Hinterhöfe von Einfamilienhäusern. Wir entschliessen uns deshalb in die Stadt zurückzukehren und die Nacht in einem Hostel zu verbringen. Wir haben Glück und gleich das Erste erweist sich als Volltreffer. Das Hostel ist in einer hier traditionellen Pfahlbauten, sauber, warm und sehr liebevoll eingerichtet.

Nach dem Einchecken versuchen wir auch gleich die Fähre für die Abreise am nächsten Tag zu buchen, doch stellt sich heraus, dass in Castro nur zur Hauptsaison (Jan-März) Fähren fahren. Die einzige Fähre nach Chaitén verlässt die Insel am Sonntag ab Quellón, welches 84km und 1100hm südlich von Castro liegt. Wir entscheiden uns deshalb hier einen Ruhetag einzulegen, zwei Nächte im Hostel zu bleiben und am Freitag bei starkem Wind&Regen nach Quellón zu fahren.

Castro erweist sich als interessanter und abwechslungsreicher Ort. Wie in allen Städten auf Chiloé gibt es einen Fischmarkt, Ceviches, einen grossen Mercado Artesenal, etc. Wir geniessen den Tag und bereiten uns schon mal mental auf den nächsten Tag vor.

Um 7:30 stehen wir auf, geniessen ein kurzes Frühstück und machen uns bei Wind, Regen und 8c auf den Weg nach Quellón. Wie erwartet ist die Strecke anspruchsvoll und wir benötigen dafür, mit bloss zwei kurzen Pausen, 6 Stunden. Selbst auf die bis anhin nicht sehr interessierten Chilenen machen wir Eindruck und uns wird ständig motivierend zugewinkt und gehupt.

Es regnet den ganzen Tag und der Regen wird, entgegen unserer Erwartung, am Nachmittag sogar noch stärker. Für die Nacht haben wir in Quellón einen Platz auf einem Camping reserviert. Zum Glück sind wir die einzigen Gäste und können deshalb unser Zelt unter dem Dach des Gemeinschaftsraumes aufstellen.

Die Campingbesitzerin ist sehr freundlich, wir können unsere nassen Kleider bei ihr im Haus trocknen lassen und wir gönnen uns zur Feier des Tages eine Flasche Wein.

Die Fähre verlässt Quellón um 19:30, das Boarding beginnt rund zwei Stunden vorher. Wir haben also viel Zeit und beschliessen einen kurzen Ausflug zum Kilometer Null der Panamericana zu machen, der nur wenige Kilometer südlich des Ortes liegt. Viele Reisen haben da angefangen oder geendet und für viele Reisende ist es ein sehr emotionaler Moment da anzukommen.

Es gibt ein Monument und ein paar Hinweistafeln zur Panamericana. Tatsächlich gibt es noch weitere KM-0. Auch Argentinien beansprucht diesen für sich und platziert ihn in im viel weiter im Süden gelegenen Ushuaia.

Um 17:00 sind wir dann am Pier. Das Boarding beginnt aber noch nicht, denn die Fähre ist noch nicht da. Macht aber nichts, es hat noch viele andere Reisende mit interessanten Geschichten. Wir treffen zum Beispiel seit mehr als einem Monat den ersten Fahrradreisenden (Er heisst Will Holmes, kommt aus England und wir werden die nächsten Tage zusammen fahren). Mit ca 2 Stunden Verspätung legt die Fähre schlussendlich ab.

Wir melden uns noch kurz beim Hostel und informieren sie, dass wir wohl erst um 2 Uhr in der Nacht eintreffen werden.

Die Fähre ist gut geheizt, angenehm eingerichtet und es werden zur Unterhaltung nacheinander drei (ziemlich komische und, da spätabends, gewalttätige) Filme gezeigt. Draussen ist es sehr stürmisch und die Wellen werden je weiter wir aufs Meer raus fahren immer stärker. Das Schiff kommt zeitweise richtig stark ins wanken. Die Leute, die in der Cafeteria auf nicht am Boden befestigten Stühlen sitzen, rutschen teilweise einige Meter hin und her. Das Personal ist aber bei bester Laune und auch Fränzi verschläft einen Teil der fahrt. Um 01:30 kommen wir in Chaitén an. Will sucht sich bei Regen noch einen Platz zum Wildcampen und wir machen uns auf den Weg zu unserem Hostel, wo wir eine kurze Nacht verbringen.

2 Gedanken zu “Chiloé – eine Insel zwischen zwei Fähren

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