Heisse Schoggi zum Siebenjährigen

Puerto Rio Tranquilo – Cochrane 120km

Das gute Wetter lässt lange auf sich warten. Am kommenden Tag regnet es ununterbrochen. Wir sind happy über das Dach über unseren Köpfen und verbringen den Tag mit lesen, kochen und relaxen. Zum Glück haben wir die Velos schon Gestern gereinigt und wieder auf Vordermann gebracht.

Wir haben Gesellschaft von “Zwicka” aus Israel, welcher mit einem Motorrad reist und ebenfalls auf bessers Wetter wartet. Er erzählt uns, dass er ziemlich abgelegen auf einer Farm aufgewachsen ist und später auch dort gearbeitet hat. Er hatte noch bis vor ein paar Monaten weder ein Smartphone, noch Internet, noch ein Fernseher. Für die Reise hat er sich nun ein Handy gekauft, da es doch einiges erleichtert und eine gewisse Sicherheit bietet. Er beschwert sich, dass er schon süchtig ist und ständig am Handy hängt.  Ebenfalls sprach er zuvor kein Wort Englisch und schon gar nicht spanisch. Um uns zu unterhalten reicht es aber inzwischen bereits. So vergeht der Tag ohne weitere, spezielle Vorkommnisse. Andere Reisende kommen und gehen, wir quatschen und tauschen uns aus über Reiseerlebnisse. Unter anderem lernen wir auch den ersten schweizerdeutsch sprechenden Veloreisenden kennen, Peter aus Basel.

Am nächsten Morgen regnet es noch immer. Als wir unseren ersten Kaffee trinken, ist Zwicka bereits an seinem ersten Weinglas.

1,5 Liter Gato Wein – den trinken alle Chilenen. Kostet umgerechnet nur etwa 2fr. und ist auch gar nicht mal soo schlecht. Wir überlegen die “Capillas de Marmol”, wofür Rio Tranquilo berühmt ist, und was eines der Highlights sein soll auf der Carretera, zu besuchen. Die Capillas de Marmol sind etwa 10 Meter hohe Marmorfelsen welche im Lago General Carrera aus dem Wasser ragen, und durch Wind und Wasser gebildetet Höhlen haben, in welche man mit einem kleinen Boot hinein fahren kann. Viele Reisende kommen nur wegen diesen Felsen hierher. Aber da das Wetter schelcht ist, und wir nicht überzeugt sind, ob es sich wirklich lohnt, lassen wir diese Option sausen und geniessen einen weitern easy Tag mit süssem Nichts- tun.

Zum Nachtessen gibt es heute leckre Fajitas und danach die allabendliche Packung Keckse. Urs hat bereits Gewicht verloren, sodass seine Hose nicht mehr sitzt und muss schauen, wie er genügend Kalorien wieder rein bringt. Beim Einkauf achten wir auf die Stickers die sagen: “Alto en Grasas/ Alto en Calorias/ Alto en Azucares” (viel Fett, Kalorien, Zucker) 😁.

Am dritten Tag beginnt es kurz nach dem Aufstehen bereist wieder leicht zu regnen. Trotzdem packen wir alle unsere Sachen und machen uns nach einem kurzen Einkauf (Urs ergattert die letzten zwei Wasserflaschen!) auf den Weg Richtung Cochrane. Die Strasse dem See entlang ist weiterhin sehr holprig und ein stetes Auf und Ab. Nach kurzer Zeit schaut die Sonne immer öfters hinter den Wolken hervor. Das macht uns sehr glücklich . Und die wunderschöne Farbe des Sees ebenfalls.

Auf dem App  IOverlander haben wir bereits einen Wild Camp Spot entdeckt, welchen wir nun nach nur etwa 50 km ansteuern. Er ist direkt am See gelegen mit schöner Aussicht auf die Schneeberge.

Wir stellen das Zelt auf, kochen Kartoffelstock mit Pilzsauce und dazu gibts selbstgemachtes Blaukraut, welches wir am Vortag zubereitet haben. Zur Feier des Tages, und zur Feier unserer 7 jähriger Beziehung, gibt es zum Dessert eine heisse Schoggimilch. Um dann um 20.30 ins Zelt zu schlüpfen und sich dem wohlverdienten Schlaf hinzugeben.

Als wir aufstehen, bemerken wir, dass es wieder wärmer geworden ist. Heute wird ein guter Tag! Und tatsächlich, schon bald lacht die Sonne vom Himmel und wir können seit langem wieder mal in kurzen Hosen fahren.

Unterwegs begenen wir einem anderen Veloreisepärchen aus Spanien. Wir unterhalten uns kurz, tauschen Nummern (evt. sind wir zu einem späteren Zeitpunkt wieder gleich weit) und machen sogar noch ein Foto. Manchmal ist es schade, sind die Begegnungen nur so kurz. Danach kommen wir nach Puerto Bertrand, ein kleines Dörfchen direkt am See und Fluss gelegen. Die Farbe des Flusses ist atemberaubend. Wir fahren für mehrere Kilometer diesem Fluss entlang und können uns kaum satt sehen.

Die Strasse ist hier wieder viel besser und das Profil flacher, sodass wir zügig voran kommen.

Bis nach Cochrane zieht es sich dann aber doch noch hin und als wir ankommen spüren wir die vielen Höhenmeter des Tages in den Beinen. Wir fahren ins Dorfzentrum, wo wir bereits mit Conny und Gilberto abgemacht haben. Nachdem sie von Coyahique nicht mehr weiter radeln konnten, hatten sie einen Bus nach Cochrane genommen und während der letzten Woche sich Jobs und eine Wohnung besorgt! Mit Vitamin B geht das ganz schnell. Es gibt ein freudiges Wiedersehen. Wir dürfen die kommenden zwei Nächte bei ihnen wohnen bevor wir dann wieder weiter ziehen. Conny und Gilberto haben begonnen, im und rund um das Spital in Cochrane Sandwiches zu verkaufen. Für den kommenden Tag wollen sie Completos (chilenische Hotdogs) anbieten. Deshalb dürfen wir am Abend gleich schon mal Testessen, wie die Completos mit Pebre (Tomatenwürfel, gehackte Zwiebel und Koreander) schmecken. Super lecker! Danach noch ein Bierchen und Franziska schläft fast am Tisch ein. Buenas Noches!

Cochrane- Villa O’Higgins 220km

Als wir am nächsten Morgen aufstehen sind Conny und Gilberto bereits im Spital am Completos verkaufen. Wir kümmern uns währenddessen um unsere Wäsche und kaufen Vorräte für die nächste Woche. Die nächste Etappe wird sehr hügelig, ist 220km lang, unterbrochen durch eine Fähre und weiterhin auf Ripio. Wir rechnen ca mit 4 Reise- und einem Ruhetag und kaufen deshalb Vorräte für 6 Tage. Ausserdem schreiben wir unseren Blog weiter, beziehen Geld beim letzten Bankomat für 400km und Fränzi backt wieder mal Brot. Mit all dieser Vorbereitung geht der „Ruhetag“ rasch vorbei.

Am Abend bemerken wir, durch den Hinweis eines Freundes & eifrigen Lesers;), dass unser Blogbeitrag, den wir nur vor wenigen Stunden hochgeladen hatten, gehackt worden ist. An mehreren Orten, im Zusammenhang mit Namen, wurde immer wieder das Wort „Bitch“ eingefügt. Glücklicherweise konnten wir es sofort wieder anpassen, sodass nur wenige Leser davon Kenntnis nehmen konnten.

Am Abend essen wir noch mit unseren Gastgebern selbstgemachte Burger.

Am Morgen fahren wir dann früh los, da wir einen schweren Tag erwarten. Bereits am Dorfausgang beginnt wieder der Ripio. Wir haben aber schon schlimmeren gesehen und bleiben deshalb optimistisch. Zudem zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite. Wir freuen uns als wir schon nach 10 Minuten Fahrt wieder anhalten müssen um Sonnencreme aufzutragen und einige Schichten Kleidung zu entfernen. Heute fahren wir in kurzen Hosen und TShirt! Die Landschaft ist weiterhin einmalig. Wir radeln von See zu See und kreuzen unzählige Bäche und ein paar Flüsse. Unterwegs treffen wir bei einem kleinen Fluss ein französisches Paar. Wir kommen sofort ins Gespräch und schon bald dreht es sich ums Thema fischen. Die beiden haben eine leichte Fischerausrüstung (Teleskoprute und ein paar Köder) zu Beginn ihrer Reise in Santiago gekauft und fischen sich jetzt durch Patagonien. Die obligatorische Lizenz haben sie nicht, doch wer sollte sie hier schon kontrollieren. Nach nur etwa 10 Minuten ist Fränzi schon am Fischen, gefangen wird aber nichts.

Wir brechen wieder auf und sammeln bis zum Nachmittag bereits 68km. So viel war auch geplant, denn auf unserer Wildcamp-app gibt es da einen Wildcamp-Platz namens „Paradise 2:)“ mit super Beschreibung. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Der Platz liegt an einem kleinen Fluss auf einer Wiese am Waldrand, ca 500m von der Strasse und wohl 30 km vom nächsten Haus entfernt und ist wirklich sehr schön. Auf der Carretera Austral ist dies eigentlich fast der Standard, wir sind in Sachen „Wildes campen“ mittlerweile ziemlich verwöhnt. Wir überlegen uns ob wir einen Tag hier bleiben wollen. Doch das Wetter soll am Donnerstag wieder schlechter werden, weshalb wir uns entschliessen am nächsten Morgen weiterzufahren. Gleich nach der Ankunft gibts das obligate Bad im eiskalten Fluss, wir kochen Milchreis und geniessen die Stimmung. In 500m Entfernung sehen wir während des Essens von unserem Platz aus noch 3 andere Velotourer vorbeifahren, darunter das französische Paar vom Nachmittag.

Am Dienstagmorgen ist nach dem Frühstück erstmal ein Hausputz angesagt. Das Zelt hat die letzten Wochen doch recht gelitten.

Um ca 11:00 fahren wir ab und treffen sogleich Thomas, einen weiteren Radtourer aus Frankreich. Er verlässt uns aber gleich wieder, da er heute unbedingt noch die Fähre in Puerto Yungay nehmen möchte (weitere 70km und viele Höhenmeter). Wir fahren gemütlich los und schon nach rund 20km überholen wir ihn wieder. Wir sehen aber nur sein Bike, er selbst isst wohl gerade irgendwo zu Mittag. Wir fahren weiter, geniessen die schöne Landschaft und halten Ausschau nach einem guten Schlafplatz. Dies erweist sich schwieriger als gedacht und ausserdem kommen wir schnell voran, weshalb wir uns entschliessen noch auf den heutigen Pass zu fahren und da irgendwo zu übernachten. Ausserdem könnten wir so am nächsten morgen nur kurz zusammenpacken und nach 10km Abfahrt gemütlich um 12:00 die erste Fähre nehmen. Doch auch nach 90min fahrt auf den Pass finden wir keinen guten Schlafplatz und entscheiden uns deshalb bis zur Fähre durchzufahren und Notfalls im Fährhaus zu schlafen. Um ca. 17:00 treffen wir müde in Puerto Yungay ein. Schlafplätze gibt es hier genügend, es gibt einen kleinen Strand und auch das Fährhaus sieht ansprechend aus. Bevor wir das Zelt aufschlagen, genehmigen wir uns kurz einen wohlverdienten Cafe im kleinen Kiosco und wundern uns, als weitere Reisende per Auto eintreffen. Darunter auch bekannte Gesichter aus Rio Tranquillo. Schnell lernen wir, dass neuerdings auch um 18:00 eine Fähre fährt. Also ab auf die Fähre und auf der anderen Seite im Fährhaus schlafen. Kurz bevor die Fähre ablegt, kommt noch Thomas angeradelt. Er hatte unterwegs zwei platte Reifen (schlechte Reifen) und kam deshalb schlecht vorwärts. Für ihn sei das aber keine Überraschung, er hätte jeden Tag etwa zwei Platten und hätte sich bereits an die Pausen gewöhnt.

Die kleine Fähre setzt nach 40min in Rio Bravo an. Rio Bravo ist, wie schon Puerto Yungay, kein richtiger Ort, ausser dem Fährhaus/Schutzhütte gibt es da nichts. Thomas und wir sind die einzigen Fahrradfahrer und damit auch die einzigen, die in Rio Bravo im Refugio übernachten. Das Refugio ist neu, sauber und verfügt mit einer Toilette und fliessendem Wasser über ungeahnten Luxus. Wir kochen, tauschen Geschichten aus und verbringen einen gemütlichen Abend zu dritt. Thomas ist die letzten Tage jeweils ca 100km Tag gefahren, weil er wegen Pannen, Ripio und schlechtem Wetter genug von der Carretera Austral hat und einfach möglichst schnell raus will: „Das schlimmste ist die schlechte Körperhygiene!“. Nun, wenn man nicht in eiskalten Flüssen badet, kann das tatsächlich knifflig sein.

Am Morgen ist Thomas schon weg als wir aufstehen. Er möchte die letzten 90km ans Ende der Carretera Austral unbedingt noch am selben Tag erledigen. Wir nehmen es gemütlicher – zumindest die ersten 30km, denn danach wirds wieder richtig streng. Der Weg wird schlechter und führt über unzählige Hügel.

Doch wir wollen unbedingt noch bis zum 20km entfernten Refugio fahren, damit wir dann einen leichten letzten Tag auf der Carretera haben. Als wir beim Refugio ankommen, stellen wir fest, dass dies zwar toll für regnerische, aber zu düster für den heutigen sonnigen Tag ist. Wir fahren also weiter. Wir werden immer müder und gerade als die Stimmung langsam kippt erreichen wir einen wunderschönen Wasserfall. Für Fränzi ist sofort klar, hier nehme ich ein Bad!

Und tatsächlich, nach dieser kurzen Pause sind wir wieder fit und finden bereits nach wenigen Minuten Weiterfahrt einen sehr schönen Platz zum Übernachten.

So stehen am nächsten Tag nur noch 28km auf dem Plan, die wir mit Pausen in 2h bewältigen. Wir treffen glücklich am Ende der Carretera Austral ein und werden uns hier ein paar Ruhetage gönnen, bevor am Samstag mit der Wanderung (Bike stossen/tragen) nach Argentinien ein weiteres Highlight auf uns wartet. Ausserdem müssen wir hier noch die vielen Vorräte aufessen, welche wir seit Cochrane mitschleppen. Wir waren einfach zu schnell!;)

2 Gedanken zu “Heisse Schoggi zum Siebenjährigen

  1. Hey ihr zwei! Gratuliere eu zu euem 7jährige und zum erste grosse Etappeziel. Die Fottis sind ja de Hammer, mega schöni Landschaft.

    Wiiterhin viel Spass, gnüssets 😉

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