Graffiti-Safari in Valparaíso

El Tabo – San Esteban (Hostel Berta) 253km

Am Morgen sind wir pünktlich um 9.00 Uhr ready und verabschieden uns von Mathias, dem freundlichen Campingbesitzer und begeisterten Fahrradtourer. Unser Weg führt uns vorerst noch ein wenig der Küste entlang und biegt dann ins Landesinnere ab, wo wir dann auch einige Höhenmeter überwinden müssen. Die Hitze der Sonne drückt, aber wir kommen gut voran. Wir finden eine gute, und nur sehr wenig befahrene Strasse und müssen so, nicht wie befürchtet, rauf auf die Autobahn, wo die Lastwagen- und Autofahrer mit 130kmh ohne Rücksicht auf Verluste, an einem vorbei rasen. Kurz vor Valparaíso hört dann die geteerte Strasse auf und mündet in einen Kiesweg der sich durch den Wald auf den Hügel hinauf schlängelt. Wir sind alleine unterwegs. Plötzlich häufen sich rechts und links des Weges grosse Abfallberge mit allem möglichen.

Es scheint, als würde hier einfach alles entsorgt was man nicht mehr braucht. Irgendwann taucht noch ein Hund hinter einem zerfetzten Sofa auf und läuft dann aber ängstlich vor uns davon. Ein wenig mulmig ist uns schon. Kurz darauf aber sind wir am höchsten Punkt angekommen und können auf das berühmt, berüchtigte Valparaíso hinunter schauen.

Für uns Landeier eine riesengrosse Hafenstadt, mit rund 900‘000 Einwohnern inkl. Agglo. Sie liegt an einem steilen Hang und bietet mit ihren farbenfrohen, ineinander verschachtelten Häusern, gewundenen Strassen und Gässchen durchaus einen sehr schönen und interessanten Anblick.

Valpo (wie die Chilenen die Stadt nennen) ist auch bekannt für ihre Lifte und Standseilbahnen, wovon es rund 16 Stück gibt, und welche das überwinden von den enorm steilen Strassen und vielen Höhenmetern vereinfachen. Valpo gilt ausserdem als Die kultur Hauptstadt von Chile, und kann mit literarischer, musikalischer und künstlerischer Geschichte auftrumpfen. Vor allem der künstlerische Aspekt der Stadt sticht uns sofort ins Auge, als wir die sogenannten Favelas hinter uns lassen und weiter in den Stadtkern vordringen. Überall entdecken wir Graffitis aller Art. Meistens kunterbunt und ziemlich abstrakt.

So schlängeln wir uns durch die Strassen und machen uns auf die Suche nach unserem Airbnb, welches wir bereits im Voraus gebucht hatten, weil es unmöglich war einen Couchsurfer zu finden. Nachdem wir dann unsere Räder das letzte Stück den steilen Hang hinauf geschoben hatten (fahren war wirklich nicht möglich), kommen wir verschwitzt bei Wladimir, unserem Gastgeber an. Es ist eine schöne und gemütliche Unterkunft. Wir genehmigen uns eine Dusche und gehen dann wieder raus um die Stadt zu erkunden. Wir sind beide beeindruckt von Valparaíso. Die meisten Häuser sind am zerfallen und die Strassen wirken ziemlich heruntergekommen und zeugen von Armut. Aber die unzählbar, bunten Graffitis, zusammen mit den vielen engen Gässchen und Treppen, verleihen der Stadt einen ganz eigenen, einmaligen Charme. Ich bin hin und weg, was eine Stadt kaum schafft bei mir. Wir schlendern durch die Gassen und genehmigen uns in einer der unzähligen Bar‘s ein Cerveza zur Feier des Tages. Als wir das Geschehen um uns herum beobachten wird uns bewusst, dass nicht nur für das Stadtbild, sondern auch für die Menschen die hier leben, Platz für ihre Einzigartigkeit und Individualität bleibt. Umso dunkler es wird, desto verrückter die Menschen. Alkohol und Drogen (gekifft wird sowieso den ganzen Tag an allen Ecken) sind überall anzutreffen. Irgendwo beobachten wir, wie eine Frau unauffällig neben einem schlafenden, alkoholisierten Mann sitzt und sich an seinen Schuhen zu schaffen macht. Als wir später wieder da vorbei laufen, ist die junge Frau samt Schuhen weg?! Wir nehmen unsere wenigen Kostbarkeiten fest in den Griff und machen uns auf den Nachhauseweg. Wir sind sowieso zum umfallen müde und schon nach einem Drink angetrunken. So ist das als Fahrradtourer halt….

Am nächsten Tag gehen wir nochmals auf Graffiti-Tour, mit der I Phone Kamera im Anschlag.

Um die Mittagszeit genehmigen wir uns ein Menü (Vorspeise, Hauptgericht, Dessert) mit Fisch und Fleisch für etwa 4.50fr. pro Person. Der Tag vergeht wie im Flug. Am Abend setzten wir uns wieder in eine Bar um mal wieder an unserem Blog zu schreiben. Man muss sich das so vorstellen; zwei Gringos (so nennen sie blonde Menschen mit hellen Augen), über eine Stunde an einem Plastiktischchen sitzend, schweigend, beide mit Handy in der Hand, konzentriert tippend und aus dem längst leeren Caipirinhaglas nuckelnd…Aber wir sind effizient und können den Blogbeitrag am nächsten Morgen hochladen, bevor wir uns wieder vom Acker machen.

Am nächsten Tag geht es zuerst für eine Weile der Küste entlang. Es ist neblig und sogar ein bischen kühl. Wir haben heute keine grosse Strecke geplant und nehmens deshalb gemütlich. In Viña del Mar, der Stadt der Reichen und Schönen, finden wir sogar in einem Bici Shop, endlich die richtigen Breakpads für uns beide, welche dann sofort in unserem Ersatzteillager landen. Die Fahrt der Küste entlang ist schön und relativ Verkehrsarm.

An einem Strand findet gerade ein Surfcontest von RedBull statt. Laute Musik und viele junge, schöne Leute laden ein zum bleiben. Aber es hat kein Camping weit und breit. So machen wir uns weiter und treffen kurz darauf zwei weitere Radreisende, welche unterwegs nach Süden sind. Wir quatschen kurz und tauschen Nummern aus. Danach ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum Camping, wo wir dann früh im Bett sind.

Am Morgen haben wir seit langem wieder mal einem Wecker gestellt. Wir haben heute mind. 95km und über 1000 Höhenmeter vor uns. Wir finden eine gute Nebenstrasse und kommen gut voran. Die Höhenmeter bemerken wir kaum, da es stetig und nur leicht Bergauf geht. Wir finden einen schönen, an einem Bach gelegenen Mittagsplatz, wo wir unter anderem die Honigmelone, welche uns kurz zuvor auf der Strasse geschenkt wurde, vertilgen und den Schatten unter den Bäumen geniessen.

Im Bach baden wir die Füsse und ich geniesse das weiche Gras unter den Füssen…Schlechte Idee, plötzlich stehe ich auf eine Biene. Es schmerzt und schwillt ganz leicht an. Mehr aber auch nicht. Auch gut zu wissen 🙂

Unsere Reise endet dann an einer Autobahn Auffahrt mit einem Veloverbot. Wies aussieht gibt es aber keinen anderen Weg der uns zu unserem Ziel bringt. Wir fragen einen Herrn der gerade mit seinem Anhänger kurz vor der Auffahrt steht. Er bestätigt unseren Verdacht, sagt aber, dass er sowieso auch in diese Richtung muss und uns mitnehmen könnte. Lange müssen wir nicht überlegen. So packen wir die Fahrräder hinten auf sein Gefährt und lassen uns die letzten 18km bis zum Camping chauffieren.

Dort machen wir noch das was Nötig ist und sind dann wieder früh und sehr müde im Schlafsack. Der Tag hat uns doch mehr geschafft als wir gedacht hatten.

Auf dem Weg nach Los Andes, was nur etwa 20km entfernt liegt, befinden wir uns plötzlich mitten in einem kleinen Radrennen. Die Leute feuern uns ebenfalls an.

Gegen Mittag treffen wir im über 800 m.ü.M gelegenen Los Andes ein. Wir kaufen ein paar Lebensmittel und fahren dann weiter Richtung Anden, bis zum Hostal Berta. Da dürfen wir unser Zelt im Garten aufschlagen und den restlichen Nachmittag und Abend an diesem superschönen, überaus sauberen und gemütlichen Ort, mit freundlichen Gastgebern geniessen.

San Esteban – Mendoza 260km

Der Paso Cristo Redentor ist die wichtigste Verkehrsverbindung zwischen Chile und Argentinien. Für Fahrradfahrer gibt es zwei Möglichkeiten über den Pass zu kommen. Entweder man fährt bis zum Autotunnel auf 3100m und lässt sich durchchauffieren oder man nimmt kurz zuvor die Abzweigung zum alten Pass und fährt über Kieswege bis auf 3900m. Wir halten uns beide Optionen offen. Deshalb führen wir Essen für zwei Tage und ein paar extra Liter Wasser mit, damit wir Abends wild campieren können und unabhängig der Wahl, am nächsten Tag den Rest des Passes erklimmen können. Was wir bei der Abfahrt noch nicht Wissen ist, dass wir den Pass und Aufstieg auf 3100m in nur einem Tag bewältigen werden (und deshalb zu viel Gewicht mitführen).

Zu beginn des Tages kommen wir extrem gut vorwärts. Die Strecke ist eigentlich fast flach und so fahren wir bei gutem Tempo immer weiter in die Andentäler hinein.

Ringsherum beginnen die Berge immer weiter zu wachsen und wir wundern uns zunehmends, wann nun endlich der Aufstieg beginnt. Insbesondere weil bis zum Pass nur noch 30km, dafür aber 2000hm zu bewältigen sind. Wir sind deshalb einerseits positiv von unserem Vorwärtskommen überrascht, andererseits zunehmend etwas nervös weil der Aufstieg durch jeden bewältigten flachen Kilometer steiler wird. Und so kommt es dann auch. Wir sehen am ende des Tales erst einen kleinen Aufstieg, der dann zu einem grösseren Anstieg wird und sich schlussendlich bis zum Pass durchzieht. Der Aufstieg ist vergleichsweise kurz, aber typisch für den chilenischen Strassenbau, richtig steil. Zum Glück haben unsere Fahrräder so gute Übersetzungen, ansonsten wären solche Steigungen mit Gepäck nicht zu bewältigen.

Die Berge sind jetzt richtig massiv und imposant. Zwar sehen wir, eingeklemmt in einem Tal, nur die erste Reihe, doch auch diese Berge können es durchaus mit den Alpen aufnehmen. Zudem waren wir vor drei Tagen noch am Meer – was für eine Veränderung der Szenerie!

Langsam und stetig gewinnen wir Höhe. Etwa nach 1500 gefahrenen Höhenmetern und 5 Stunden Fahrt, beginnen wir uns nach einer Schlafgelegenheit umzuschauen. Hier gibt es noch Wasser, weiter oben dann immer seltener. Im Voraus haben wir auch ein wenig recherchiert wo man schlafen könnte, aber alle Plätze stellen sich als ungeeignet heraus. Weil auch der Wind zunimmt und die Wolken zuziehn, entscheiden (es war mehr ein stilles Übereinkommen) wir uns, doch bis zum Autotunnel hoch-, durch die beiden Zölle durch- und bis zum nächsten Dorf hinabzufahren. Die Stimmung wird bei Fränzi nun doch etwas schlechter, was nach mehr als 2000 gefahrenen Höhenmetern auch verständlich ist. Sie stoppt unvermittelt, setzt den Fuss auf den Boden und sagt mit ganz bestimmendem Tonfall: „Ich fahre keinen Meter weiter!“. Wir fahren mangels an Alternativen dann doch weiter. Und kurz danach beginnt es dann auch noch zu schneien. Es ist eisig kalt und wir ziehen das erste mal seit der Carretera wieder Handschuhe an. Glücklicherweise treffen wir kurz vor dem Tunnel noch zwei weitere Radreisende aus Deutschland. So erklimmen wir die letzten Kilometer gemeinsam. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Ca. um 17h00 werden wir gratis von den Tunnelarbeitern auf einem kleinen Lastwagen durch den Tunnel gefahren. Danach erwarten uns, nach 15km Abfahrt (links neben uns sehen wir nun zum ersten Mal und ganz von nah den Aconcagua), die beiden Zölle. Wir sind etwas aufgeregt. Zwar hatten wir bisher noch keine Probleme am Zoll, doch kann es manchmal länger dauern bis man durch ist. Aber nicht so hier. Gleich zu Beginn des Argentinischen Zolls nimmt uns ein Fahrradbegeisterter Mitarbeiter zu sich, lotst uns an allen Wartenden vorbei, ruft jemanden der für uns den Papierkram erledigt und lädt uns zu sich nach Hause in Mendoza zu einem Asado ein. Welcome to Argentina! Wir plaudern ein paar Minuten und schon ist alles erledigt. So einen angenehmen Grenzübergang werden wir wohl nur einmal erleben. Wir verabschieden uns von unserem Helfer und verlassen ohne irgendwelche Kontrollen passiert zu haben den Zoll.

Im nächsten Dorf finden wir in einem Refugio/Hostel unsere Unterkunft für die Nacht. Es gibt einige Refugios hier und alle sind voller Bergsteiger und Guides, die den Aconcagua besteigen wollen. So verbringen wir den Abend bei spannenden Gesprächen unter vielen Outdoorenthusiasten, trinken Mate und erzählen uns von unseren Abenteuern. Definitiv der richtige Ort um diesen strengen Tag ausklingen zu lassen.

Im Gegensatz zu Schweizer Berghütten sind alle Bergsteiger morgens um 9 Uhr noch da, als wir aufstehen. Wir haben erwartet, dass alle früh loslaufen, wollen sie doch auf den Aconcagua, den höchsten Berg ausserhalb Asiens. Doch Sie sind gemütlich am Frühstücken und warten darauf, dass die Wanderung endlich beginnt. Der Aconcagua ist vergleichsweise einfach zu besteigen. So gibt es zum Beispiel keine Kletterpassagen. Dafür braucht man, aufgrund der Höhe, sehr viel Zeit zum akklimatisieren. Die Besteigung dauert oft um die 15 Tage und der gesamte Proviant wird mitgetragen. Unterwegs gibt es, nach dem 12 km entfernten Basecamp, das sie heute ansteuern, keine Verpflegungsmöglichkeiten mehr. Wasser erhält man nur durch schmelzen des Schnees. So kommt es, dass die Bergsteiger mehr Gepäck und Gewicht mittragen als wir.

Wir frühstücken, plaudern noch ein bisschen und freuen uns auf die heutige Abfahrt. Bis zu unserem Ziel sind es nur 63km und 1100m downhill und es weht schon ein heftiger Rückenwind, der uns wohl aus dem Tal rausschleudern wird. Und so kommt es dann auch. Die Abfahrt ist sehr gleichmässig, oft fast flach und technisch einfach (Simon, du würdest dich langweilen;)). Und der Wind weht so stark, dass wir jeweils extrem schnell Tempo aufnehmen und richtiggehend rasen. Über gemässigte Steigungen werden wir einfach hinweggeblasen. Ein tolles Gefühl! Nach dem gestrigen Tag haben wir dies definitiv auch verdient.

Unterwegs treffen wir noch zwei weitere Fahrradfahrer, die in umgekehrter Richtung gegen den Wind kämpfen. Wir halten an und reden kurz mit ihnen. Sie haben noch fast keine Strecke hinter sich gebracht, doch sind schon fix und fertig. Für uns ist es der erste Stop und wir bemerken, dass der Wind so viel Sand aufwirbelt, dass man ein richtiges Peeling abbekommt wenn man stehen bleibt. Nicht sehr angenehm. Um mindestens die Augen etwas zu schützen, fährt einer der beiden mit einer Taucherbrille – was für ein Bild!:-D

Die Landschaft hat sich seit Chile markant verändert. Wir fahren durch ein Gebirge wie wir es auf unserer Reise noch nicht gesehen haben. Die Vegetation ist zwar karg, doch die Berge strahlen in allen Farben. Wir entdecken praktisch alle Farben.

Bereits auf den Mittagskaffe treffen wir in unserem Ziel, in Uspallata ein. Uspallata ist ein kleines Dorf am Fusse dieses wichtigsten und imposanten Andenpasses zwischen Chile und Argentinien. Und genau davon lebt das Dorf auch. Um die Abzweigung zum Pass gibt es ein kleines touristisches Zentrum mit Restaurants, Herbergen und Campings. Ansonsten gibts nichts zu entdecken. Gut für uns, denn so können wir den Rest des Tages entspannen und uns von den Strapazen erholen. Wir bauen unser Camp auf und geniessen den Nachmittag in der Hängematte. Was wir übrigens auch geniessen ist, das nun wieder sehr viel gemässigtere Preisniveau in Argentinien. Für den Camping zahlen wir zum Beispiel CHF 4.-, anstatt die in Chile üblichen 18.-. Welcome to Argentina 2!

Am nächsten Tag warten die nächsten 1000m der Abfahrt auf uns. Doch heute kommt einiges anders als erwartet. Anstatt eines gemütlichen Tages erwartet uns unser 1 Defekt der Reise (einen platten Hinterreifen an Fränzis Velo), viel Schinderei und eine schlaflose Nacht. Doch zuerst zum Highlight des Tages: Nach einigen Kilometern Fahrt treffen wir unterwegs Will! (erinnert ihr euch? Die erste Woche auf der Carretera Austral fuhren wir zusammen mit Will. Er hatte dann genug vom Ripio und verliess uns Richtung Argentinien, während wir unseren Weg nach Süden fortsetzten). Seit damals ist er zuerst etwas nach Süden und dann entlang der Anden nach Norden gefahren und möchte nun zurück nach Santiago um da seine Freundin zu treffen. Er isst immer noch fast ausschliesslich Reis und hat fast immer Wild campiert. Respekt! Man sieht ihm das aber auch an. Er ist äusserst schmutzig und fragt uns dann auch gleich ob es im Dorf eine Duschgelegenheit gebe. Auch er hat viel erlebt und wir erzählen uns in Kürze was die letzten 3 Monate alles so passiert ist. Er hat fast ausschliesslich gute Erfahrungen gemacht. Mit einer Ausnahme: Auf ihn wurde geschossen! Eines Nachts, als er spät noch einen Platz zum schlafen suchte, baute er sein Zelt ohne zu fragen auf dem Land eines Bauern auf. Der Bauer entdeckte ihn, dachte aber, dass es sich um einen Einbrecher handelt und schoss (vermutlich) ein paar mal zur Warnung in die Luft. Will war zu dieser Zeit schon im Zelt und kam sofort, total eingeschüchtert und mit erhobenen Händen aus dem Zelt. Der Bauer, der nun sah, dass es sich lediglich um einen verirrten Touristen handelt, bedauerte es sogleich und versuchte Wills Schock etwas zu lindern, indem er ihm einen Schlafplatz im Haus anbot, für ihn kochte, etc. Für Will war das auf jeden Fall ein prägendes Erlebnis und er ist bei der Wahl des Schlafplatzes nun einiges vorsichtiger geworden.

Wir diskutieren noch eine Stunde weiter und setzen unsere Fahrt dann in entgegengesetzte Richtungen fort. Zuerst kommen wir gut vorwärts, nur um wenig später in heftigen Gegenwind hereinzufahren. Anstatt die Abfahrt zu geniessen, treten wir nun auch bergab in die Pedale um nicht stehen zu bleiben. Klar, wir hatten schon stärkere Winde auf unserer Reise, doch erwarteten wir nochmals einen so gemütlichen Tag wie gestern, was nun wenigstens die Stimmung ins Tal fahren lässt. Wir mühen uns ab und erreichen erst gegen Abend den See wo wir heute wild zelten wollen. Wir stellen unser Zelt auf einer kleinen Halbinsel mitten auf dem See auf. Diese Stelle ist echt einmalig! Zwar bietet sie nur wenig Schutz vor dem Wind und der Untergrund ist sandig, doch das Panorama ist absolut fantastisch.

Das wissen auch einige Argentinier, weshalb hier bis zum Einbruch der Dunkelheit noch viele Leute am grillieren sind, Teenies posieren für Instagram und andere sind gemütlich eins am Kiffen. Doch schon bald sind sie alle weg und auch wir gehen langsam ins Bett.

Etwa um 23:00 fängts zu stürmen an. Nichts was unser Zelt nicht aushalten würde, doch konnten wir es wegen des sandigen Untergrunds nicht sturmsicher spannen. Die Aussenhülle flattert deshalb im Wind und die Zeltstangen verbiegen sich so stark, dass die Zeltwand zeitweise auf unsere Gesichter gedrückt wird. Der Platz ist sicher, doch macht das Zelt so viel Lärm, dass wir beide nur sehr wenig Schlaf kriegen. Als es Tag wird, freuen wir uns beide, dass wir endlich aufstehen und zusammenpacken können. Die Stimmung ist dementsprechend. Immerhin ist aber alles trocken geblieben und nichts von unserer Ausrüstung wurde in den See gewindet.

Ausserdem hat der Sturm dazu geführt, dass die Temperatur extrem abgefallen ist. Anstatt bei gefühlten 35c, wie am Vortag, fahren wir nun mit dicken Kleidern und Handschuhen. Wie wir später lernen, war dies der kälteste Januartag seit 15 Jahren. Die Kälte ist aber bloss eine Überraschung und kein Problem für uns. Wir haben schliesslich schon viel Erfahrung damit und nehmen es deshalb gelassen.

Die letzten 50km unserer Fahrt nach Mendoza meistern wir in Windeseile und freuen uns auf den Schlaf, welchen wir im bereits gebuchten Doppelzimmer nachholen können.

2 Gedanken zu “Graffiti-Safari in Valparaíso

  1. merci für die persönlichi Widmig – aber ich bin sicher, i hets au gnosse döt abezfätze!! 😉

    wahnsinnig viel schöni bilder und iidrück, macht freud zum aaluege!

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