Ein Resümee: Das Leben auf der Strasse

Vor über sieben Monaten sind wir voller Tatendrang und Vorfreude in unser kleines Radreiseabenteuer gestartet. Ziemlich ahnungslos und unerfahren sind wir in Buenos Aires angekommen, bei kalten 12 Grad, anstatt wie erwartet 29?! 😅 Wenn wir uns die Fotos vom Anfang anschauen, überkommen uns wieder dieselben, freudigen und erwartungsvollen Gefühle und wir lachen viel über spezifische Situationen und sagen: „weisch no…“ Es fühlt sich an, als wäre es letzte Woche gewesen. Und es fühlt sich an, als sei es schon Ewigkeiten her. Was wir zwischen dem Landeflug auf Buenos Aires bis hier hin, bis nach Cusco erlebt haben, können wir nicht alles festhalten. Es sind Erinnerungen von freudigen Bekanntschaften, von wunderschönen Landschaften, Gletscher, Berge, dem Meer, vom Campen, von bellenden und knurrenden Hunden, von dreckigen Unterkünften und leckerem Essen, von Unwohlsein und Freudentränen, von Anstrengung und Loslassen und vor allem von Begegnungen mit tollen Menschen und spannenden Lebensgeschichten. Wenn wir so darüber Nachdenken, macht es uns fast ein wenig wehmütig. Die Entscheidung, diese Reise mit dem Fahrrad zu machen, war und ist für uns definitiv die richtige. Wenn wir unterwegs sind fühlen wir uns frei und wohl in unseren Körpern. Das langsame Reisen gibt uns genügend Zeit und Raum, alle Eindrücke und Erlebtes zu verarbeiten und uns in Ruhe auf Neues einzustellen. Das direkte Erleben der Natur gibt uns das Gefühl selbst zu Leben. Und wenn sie uns mit voller Wucht ins Gesicht schlägt werden Grenzen und Möglichkeiten deutlich sichtbar. Wenn wir uns auf der Karte ansehen, wie weit wir bereits, aus eigener Kraft gekommen sind, können wir es selbst kaum glauben. Das Gefühl für Distanzen verändert sich. Kaum sind wir irgendwo angekommen, zieht es uns bereits schon wieder weiter, um neue und unbekannte Gebiete zu entdecken.

Nach über einem halben Jahr, kommt nun zwischendurch ein neues Gefühl hinzu; Heimweh. Nach Telefonaten mit Familie und Freunden, oder spezifische Events und Fotos lassen uns schon auch mal wünschen, uns nach Hause beamen zu können. Manchmal ergreift uns auch die Sehnsucht nach Bekanntem, nach Sicherheit, nach den Hygienestandards in der Schweiz, das Unbekümmertsein mit bekannten Gesichtern und nach Schweizer Käse. Es wird uns immer mehr bewusst, wie viel Lebensqualität wir in der Schweiz haben und wie sehr wir auch klimatisch von anderen Länder bevorzugt sind. Wir vermissen den natürlichen Lauf der vier Jahreszeiten. Manchmal vermissen wir auch die geistige und berufliche Herausforderung, und wir malen uns aus, was wir alles machen wollen wenn wir dann wieder zurück sind. Wir beschäftigen uns mit dem Thema Nachhaltigkeit und erstellen uns to- do Listen, für das Leben in der Schweiz. Es wird uns bewusst, in was für einem Überfluss wir lebten und leben und hinterfragen unser eigenes Konsumverhalten.

Nach über sieben Monaten ufreise kehrt auch immer öfters mal der Alltag bei uns ein. Es gibt Phasen, wo sich die Motivation und Fahrfreude hinter den Strapazen und dem Unwohlsein aufgrund mangelnder Hygiene (danke Bolivien) oder gruseligen Unterkünften versteckt. Imposante Naturspektakel und freudige Begegnungen mit anderen Menschen bringen sie aber jeweils rasch wieder zurück. Wir führen Dialog mit ihr, und mit uns, und sie mit sich. Es ist Teil der Reise.

Wenn wir nach vorne blicken, freuen wir uns auf das was noch kommen wird. Mit neuem Schwung und Elan machen wir uns an die weitere Rutenplanung, in der Hoffnung, dass die Tage weniger Anstrengung und mehr Entspannung beinhalten werden 😅. Viele Gedanken schwirren uns durch den Kopf. Wie sind die Menschen die wir treffen werden? Finden wir immer einen guten Schlafplatz? Wie sind die Strassen und wie viele Höhenmeter erwarten uns? Werden wir viele andere Radreisende treffen? Was werden die Highlights, was Herausforderungen? Und ganz wichtig, werden unsere kulinarischen Erwartungen erfüllt?

Wir sind gespannt auf weitere Begegnungen mit anderen Reisenden und Einheimischen, auf atemberaubende Naturspektakel und freuen uns einfach darauf, unterwegs zu sein und den Moment zu geniessen.

Jede neue Etappe ist wieder ein Start in ein neues Abenteuer!

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