Entlang des Rio Magdalena nach Cartagena

Medellín – El Banco 613 Km

Nach der äußerst kurzen und somit schmerzlosen Verabschiedung von Silvan, nehmen wir uns erst einmal noch gemütlich ein Kaffee. Die Flughafenatmosphäre lässt bei Urs ein wenig Heimweh aufkommen. So ein richtiges, eigenes “Dihei” und eine erfüllende und herausfordernde Arbeit hat halt schon auch was. Aber bevor sich dann irgendwann der schweizerische Alltag wieder breit machen kann, werden wir weiter in die Pedalen treten, unbekannte Orte entdecken und neue Freundschaften schliessen. Das heutige Ziel heisst San Rafael. Um dahin zu kommen, fahren wir nun schon zum dritten Mal die selbe, hügelige Strecke nach Guatapé. Nur am Anfang nehmen wir den Weg über Rio Negro. Wo wir ganz unerwartet einen kleinen, persönlichen Guide bekommen der uns sicher durch die Stadt führt und uns den Weg weist.

Unser Guide in Rionegro. Führt uns auf schnellstem und manchmal etwas versteckten Wegen durch die Stadt.

Die kommende Strecke kennen wir ja schon. Nach, dem mit Touris total überlaufenen farbenfrohen Guatapé, wartet noch eine lange Abfahrt, hinunter in feucht schwüles Dschungelgebiet auf uns. Wir finden einen Camping, direkt an einem klaren und zu unserer Überraschung kühlen Fluss. Die Erfrischung ist Gold wert.

Zeltplatz in Flissnähe. Morgens haben wir Frösche im Vorzelt.

Kolumbianische Geier? Auf jeden Fall hässliche Vögel. Und Aasfresser.

Der offroad Weg am nächsten Tag ist dann gar nicht so schlecht wie erwartet und ausserdem mit der schönen, grünen Umgebung und der verkehrsfreien Strasse sehr angenehm zu fahren.

Es war ebenso steil wie schön!

Es geht vorbei an weiteren Stauseen, an kleinen, unscheinbaren Dörfchen über Hügel und wieder hinunter bis nach San Roque. Da setzen wir uns erstmal (wie immer) auf dem Dorfplatz in ein schönes Kaffee. Und der schein trügt nicht, der Cappuccino schmeckt köstlich! An der anderen Ecke des Platzes hat es eine Bar. Viele Männer mit Cowboyhut, ein paar wenige Frauen und zwei, drei Pferde sind in bester Stimmung und kippen sich einen hinter die Schüssel. Also die Pferde nicht. Es wird gejohlt und hie und da reitet ein Mann im “Pferdekurzschritt” (keine Ahnung wie man dem sagt) über den Platz. Es ist Sonntag. Wir haben wohl um einen Tag das allseits bekannte Pferdefestival verpasst. Sich in dieser Bar an der Ecke voll laufen zu lassen, kann Mann aber wohl jeden Tag machen.

In der Bar ist eine riesen Fiesta. Draussen warten die Pferte darauf ihre Besoffenen Reiter sicher nach Hause zu bringen. Was wohl die Alkohollimite zu Pferde ist?

Als wir zum Hotel aufbrechen, kommen wir noch ins Gespräch mit zwei älteren Herren, die uns später noch zu einem weiteren Kaffee einladen möchten. Aber vorerst freuen wir uns auf eine erfrischende Dusche im schönen und sauberen Hotelzimmer. Für das Nachtessen kaufen wir im Supermercado an der Ecke Kräcker, Frischkäse, Wurst, Oliven, Tomaten etc. ein und machen es uns damit auf dem Dorfplatz bequem. Es vergehen keine fünf Minuten und schon sind wir umringt von etwa zehn Kindern (die meisten mit ihren Rädern) und werden mit Fragen gelöchert. Woher wir kommen, wohin wir gehen, wie viele Geschwistern wir haben, ob wir tanzen und nähen können. Wir fragen auch nach und sie erzählen uns von ihrem Leben hier, von der Schule und den Leuten.

Ein Besoffener reitet vorbei und fällt fast vom Pferd.

Nach diesen netten Unterhaltungen (auch wenn die Kindergärtner kaum zu verstehen waren) gehen wir nochmals beim Kaffee von vorher vorbei und treffen da wieder die zwei freundlichen Herren. Sie laden uns ein auf ein Getränk. Für Urs gibts Aguardiente und für Fränzi trotz der späten Stunde nochmals einen superleckeren Capuchino. Wir unterhalten uns über eine Stunde, hauptsächlich über die Region, Wetter und Kolumbien. Nachdem wir eine Einladung zum Frühstück am nächsten Tag dankend abgelehnt haben, mit der Begründung viele Kilometer vor uns zu haben und deshalb früh aufbrechen zu wollen, raten sie uns, die direkte, asphaltierte Strasse zu unserem morgigen Ziel zu nehmen. Der andere, zwar schönere und kürzere Weg sei in sehr schlechtem Zustand und viel langsamer zu fahren. Um neun Uhr ist es dann für uns auch schon wieder Zeit für in die Heia. Wir verabschieden uns und lassen uns nicht mehr überzeugen, doch noch einen Tag länger zu bleiben, obwohl es uns in diesem kleinen, untouristischen Dörfchen eigentlich sehr gut gefällt.

Wenn wir in einem Hotel übernachten, gibts leider selten die Möglichkeit selber zu kochen. Deshalb nehmen wir heute das Frühstück in einem Resti beim Dorfplatz ein. Es gibt Rührei mit Arepa und einen ultraschwachen Café con leche.

Gutes Frühstücks und schlechte Ratschläge am Dorfplatz.

Der Restichef beginnt mit uns zu quatschen und meint dann zum Schluss, er würde uns empfehlen doch die unasphaltierte Strasse zu nehmen. Sie sei muy lindo und die Beschaffenheit der Strasse “mas o menos” gut. Schnell haben wir uns umentschieden und sind unterwegs Richtung Rio Magdalena über Stock und Stein.

Kolumbianischer Roadblock.

Schon nach kurzer Zeit bereuen wir es diesen Weg gewählt zu haben. Es ist zwar wirklich lindo, aber bis wir die ersten 20 von 100 Kilometer hinter uns haben, ist schon Mittagszeit. Danach sind wir, sobald auf der asphaltierten Strasse angekommen, viel schneller unterwegs. Trotzdem scheint das Auf und Ab nicht enden zu wollen. Es ist etwa fünf Uhr, als wir in Puerto Berrió einfahren und ein Hotelzimmer (wieder sehr schön und sauber👍) beziehen. Wir befinden uns jetzt auf unter 100 Meter über Meer. Es ist heiss, feucht und dicke Luft. Ein Hotelzimmer mit einer guten Klimaanlage gilt da schon fast als Grundbedürfnis. Puerto Berrió liegt direkt am Rio Magdalena, dem grössten und früher für den Warentransport bedeutendste Fluss in Kolumbien. Der Hafen ist winzig, es liegen nur wenige, kleine Motorboote an.

Bootsablegestelle in Puerto Barrio. Öv zu abgelegenen Dörfern.

Obwohl die Rezeptionistin uns gesagt hatte, es sei zu gefährlich an den Hafen zu gehn (er befindet sich etwa drei Strassen weiter als das Hotel), erkundigen wir uns da, wegen Schiffen weiter Nordwärts und über die Mitnahme von Fahrrädern. Sei kein Problem sagen sie, und gefährlich ist es auch überhaupt nicht. Wir werden manchmal nicht so schlau aus den Kolumbianern und was es genau bedeutet, wenn es gefährlich sein soll. Auf alle Fälle hören wir immer wieder diverse Geschichten von Überfällen, Schiessereien und Diebstahl. In Medellín haben wir edle, herausgeputzte Touristenviertel und zwei Blocks weiter übelste Drogenszenen mit im Müll lebenden Menschen und Prostitution gesehen. Insgesamt wirkt Kolumbien wie in zwei Teile gespalten. Auf einer Seite scheint es modern und aufgeklärt, auf der anderen total heruntergekommen und, zum Beispiel in Sachen wie Bildung, Chancengleichheit und Naturschutz auf gleicher Stufe wie Peru zu stehen. Es ist ein Land voller Gegensätze! Und wer meint, Kolumbien hat es geschafft, der irrt sich gewaltig! Oder der kennt nur die über-touristischen Orte. Auch wir hatten uns im vorhinein vom schönen Schein der Medienberichterstattung (die ausnahmsweise mal eher besser als schlechter war) und von Berichten anderer Reisenden täuschen lassen. Ja, man kann gut als Tourist durch das Land reisen (sogar mit Fahrrad) und bestimmt ist es nicht mehr so gefährlich, wie noch vor etwa 20 Jahren, aber es muss definitiv eine gewisse Vorsicht walten gelassen werden. Und für die Menschen die hier leben, ist die Krise wohl leider noch lange nicht überstanden.

Nach einem spontanen Frisörbesuch (ja einmal im Jahr muss auch Fränzi dahin) gehen wir dann mit Sack und Pack zum Hafen und verladen Fahrräder und Gepäck auf das Dach des 17 Personen Motorboot.

Ob das wohl hält? Wir sind etwas nervös.

Zuerst sind wir skeptisch, ob unsere Sachen wirklich halten und stellen uns vor, wie es wäre, wenn Fahrräder samt Taschen, zum Beispiel die mit den Schlafsäcken, in den braunen Wogen einfach so verschwinden würden. Eine absolute Horrorvorstellung! Aber auch das Gepäck der anderen Gäste kommt aufs Dach. Wird also schon schiefgehen. Um 14.30 Uhr gehts dann mit rund 60km/h los. Mit uns noch etwa fünf weitere Mitreisende.

Zwischendurch hält der Kapitän an irgendeinem unscheinbaren Ort an, um Leute ein- oder aussteigen zu lassen. Da der Fluss zur Regenzeit viel mehr Wasser trägt als jetzt, haben sich hohe Erdwände an beiden Flussseiten gebildet. Das macht das ein- und aussteigen nicht einfacher.

Immer wieder hält das Boot mitten im nirgendwo. Anlegestellen gibt es selten. Wer mit will, winkt ganz aufgeregt vom Ufer her, um den Kapitän auf sich aufmerksam zu machen.

Nach rund drei Stunden kommen wir in Barrancabermeja an. Eine grosse Hafenstadt. Wie jede Hafenstadt eher unschön, etwas düster und es stinkt nach Fisch. Urs gefällt diese typische Hafenstadtatmosphäre. Wieder checken wir in ein Hotel ein, kochen in der Hotelküche unser Nachtessen und sind dann früh im Bett. In der Dunkelheit noch raus zu gehen macht uns sowieso nicht an.

Am Morgen geht dann unser zweites Schiff nach El Banco. Wir sind den ganzen Tag unterwegs und holen uns wegen dem kühlen, trügerischen Fahrtwind prompt einen Sonnenbrand. El Banco ist wieder kleiner als die anderen Städte, wirkt freundlich und tranquilo. Wir verbringen einen angenehmen Abend.

El Banco – Cartagena 450km

Wir fahren weiter per Rad. Die Strecke führt die kommenden Tage entlang von mächtigen Flüssen und durch tropische Sümpfe. Die Temperatur ist Tagsüber meist um die 33c. Zusammen mit 99% Luftfeuchtigkeit sagt unsere Wetter App: gefühlt 41c! Trotz sengender Hitze und stechend heisser Sonne sind unsere Kleider aber stets pflotschnass. Sogar wenn wir sie zum trocknen an die Sonne hängen.

Während der nächsten 7 Fahrtagen passiert in verschiedenen Variationen folgendes:
A: Es ist so heiss wie auf der Sonne, wir schmelzen!
B: Wir überqueren per Boot einen Fluss.
C: Wir brechen vor 8 Uhr auf, um der schlimmsten Hitze zu entgehen.
D: Wir erreichen das Meer.
E: Plotzlicher Regen liefert eine kleine Abkühlung.

Unser erstes Ziel lautet Mompos. Bis da hin sinds 60 Kilometer. Ein Teil davon offroad und durch vergessene Dörfer. Die Fahrt lässt sich folgendermassen charakterisieren: A, E

Hier sehen die Kühe etwas anders aus, als weiter südlich.

Der Regen kommt, es gibt kein entrinnen. Ist aber eine nette Abkühlung, wir freuen uns.

Jeder braucht eine Abkühlung.

Kolumbianische Strassen.. Bei Regen nicht passierbar. Zum Glück regnet es hier nur.. ehm, 6 Monate im Jahr.

Noch schnell Mittagessen bevor der Regen kommt.

Zu spät…

Mompox war bis im 19 Jahrhundert ein wichtiger Inlandhafen und ein sehr reicher Ort. Dann entschieden sich die Schiffe einen anderen Weg landeinwärts zu nehmen und Mompox geriet in Vergessenheit. In den letzten Jahren rückte das Dorf, aufgrund seiner schönen Kolonialbauten (UNESCO Weltkukturerbe), langsam zurück auf die Landkarten.
Mompox ist eines der schönsten Dörfer Kolumbiens. Da es aber so schwer erreichbar in einem Sumpf-/Flussgebiet liegt, verirren sich nur sehr wenige Touristen hierhin. Lonely Planet schreibt zu Mompos, dass man sich oft wie der einzige Tourist im Ort fühle. Wir können das bestätigen, denn wir sind die einzigen Touristen hier. Eigentlich etwas seltsam, denn der Ort ist wirklich sehr schön! Die Strassen und die Uferpromenade sind gesäumt von schönen kolonialen Gebäuden. Es gibt unzählige Boutique Hotels und edle Restaurants. Ausserhalb der Hauptsaison sind sie aber alle leer.

Funfact zu Mompox: Die Stadt hat unsere Landesflagge gestohlen/zu ihrem Dorfwappen gemacht. Und da Fränzi nun eine Schweizerfahne am Fahrrad hat, führt dies zu einigen Diskussionen, wers nun erfunden hat.

Offenbar ging ihnen das weisse Tuch aus. Die Flagge wäre nämlich der Schweizerischen sehr ähnlich.

Weiter geht die Fahrt nach Magangué. Die Fahrt zeichnet sich durch folgendes aus: A, B, C

Magangué erreichen wir um die Mittagszeit. Ab hier würden wir gerne erneut eine Flussfahrt buchen, bis nach Santa Marta. So hätten wir genug Zeit, den Tayrona Nationalpark im Norden des Landes zu erkunden und nach Cartagena zu fahren. Doch erfahren wir schnell, dass es diese Bootsverbindung schon länger nicht mehr gibt. Die Boote fahren noch Richtung Süden, zu den nur per Fluss erreichbaren Dörfern. Nach Norden würden Busse verkehren. Aufs Busfahren haben wir keine Lust. Also ändern wir kurzerhand unsere Pläne. Es gibt schliesslich auch andere schöne Karibikstrände. Statt nach Tayrona planen wir nach Tolú und Barú zu fahren. Beides beliebte Strände unter den Einheimischen.

In Magangué finden wir nach einigem Suchen, etwas ausserhalb des Zentrums, ein nettes Hotel. Mitten im Restaurantviertel der Stadt.

Auch das ist in Kolumbien üblich. Moderne trifft auf Geschichte. Dieser Karren bringt Material zur Baustelle.

Es gibt unzählige Restaurants und Essensstände. Wie in Kolumbien üblich, bieten alle praktisch das selbe an. Ein beliebiges Stück Fleisch, dazu Reis, angebrate Bananen und Bohnen. Wer Lust hat auf Fastfood, findet Hotdogs (gefüllt mit einem Klotz geschmacklosem Käse) oder Urs‘ Favourite: SalchiPapa (Pommes gespickt mit Wienerli-Stücken, darüber ganz viel BBQ Sauce) im Angebot. Wir gönnen uns die Gourmet-Variante und bestellen ein halbes grilliertes Hähnchen. Zum unschlagbaren Preis von CHF 1.23 pro Person, Impfung inklusive. Und ja, wird auch mit Reis und Bananen serviert.
Das Essen in Kolumbien ist okay, aber bisher das langweiligste in Südamerika. Egal was du auf der Karte auswählst, es kommt immer mit dem exakt gleich schmeckenden Bouquet aus Reis, Bananen und Bohnen. Manchmal noch mit etwas Ei. Die Küche ist sehr simpel. Und das Hauptziel ist zu sättigen, nicht unbedingt zu schmecken. Es gibt aber lokale Unterschiede. So sind die Arepas im Süden die schlechtesten bisher, sie schmecken nach nichts. Im Prinzip isst du ein Stück Karton. Weiter im Norden sind sie jetzt wieder ein Highlight! Gefüllt mit Ei, Gemüse und Fleisch schmecken sie grandios! Und auch die Empeñadas sind wieder lecker – das hat uns schon etwas gefehlt=).

Von Magangué fahren wir nach Corozal (A, C) und tags darauf nach Tolù (A, C, D, E).
Tolú ist einer der meistbesuchten Strände in Kolumbien.

Es ist soo heiss, dass sich sogar Fränzis Hemd auflöst.

Aber wohl eher wegen des guten Preisniveaus, nicht wegen schöner Strände. Oder guter Sicherheitslage… wir hören von vielen Überfällen und dass man abends das Hotel besser nicht verlassen soll. Kein Problem, damit kennen wir uns mittlerweile ganz gut aus. Man passt sein Verhalten hier der Situation an und kann sich so auch in etwas „interessanteren“ Gegenden gut bewegen.
Am Montag treffen wir in Tolú ein. Es ist Nebensaison und damit unter der Woche nichts los. Wir sind die einzigen Gäste im Hotel. Ganz viele Hotels und Restaurants haben gar nicht erst geöffnet. Die wenigen Touristen die da sind, setzen sich unter eine Palme am Strand und schütten sich die Lampe zu. Wir lassen es ruhiger angehen und geniessen vor allem, dass wir die Küche im Hotel benutzen dürfen.

Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug zum Playa de las Franceses, der ein paar Kilometer ausserhalb des Dorfes liegt.

Der Weg dahin führt durch ein wirklich sehr ghettomässiges/ungemütliches Dorf. Wir werden wieder mal angestarrt, Fränzi wird viel nachgepfiffen (.. welcome to Colombia) und wir erregen viel zu viel Aufmerksamkeit. Der Strand ist dann ganz schmal und voller kleiner Hotels, die alle geschlossen sind. Der Sand ist leicht im gräulichen Bereich. Hinter uns hat es viele Kokospalmen. Und das Wasser ist um die 37 Grad warm und durch den Sand eher auf der dunkelblauen Seite. Postkartenidylle ist das noch nicht. Dennoch geniessen wir das Karibikfeeling und freuen uns schon auf die Traumstrände der nächsten Wochen.
Bis auf eine Gruppe Wahlkampfhelfer, die da gerade Pause macht (oder sich vor der Arbeit versteckt?), sind wir die einzigen am Strand. Ab und zu kommt ein Typ mit einer Machete vorbei, auf der Suche nach Kokosnüssen. Als die Gruppe dann aufbricht, gehen wir auch. Zwei Gringos, ganz alleine am einsamen Strand – das ist schon fast ein Angebot an zwielichtige Gestalten. Und dem Macheten-Mann trauen wir auch nicht. Also zurück ins Dorf.
Ab Mittwoch beginnt sich das Dorf zu füllen und Leben entsteht. Jetzt zeigt sich erst, wie viele Restaurants, Hotels und Bars es hier gibt. Und wie es wohl am Wochenende zu und her geht. Da ist Rumba angesagt! So lange bleiben wir nicht.

Am Freitag morgen fahren wir weiter Richtung Barù. Bis dahin brauchen wir zwei Tage. Die ersten zwanzig Kilometer sind offroad und auf einer mässig befahrenen Strasse. Gleich zu Beginn stehen noch ein paar Häuschen. Wir halten an, da wir uns nach der Sicherheitslage erkundigen möchten. Wir fragen zwei Frauen: „Ist dieser Weg sicher?“, Sie: „Sicher? Jaja, aber haltet unterwegs bloss nicht an!“. Naja, was soll man von so einer Antwort halten?;-) Wir fahren los. Ansonsten ist es wieder mal: A, C

Das ist eine Kolumbianische Schnellstrasse.

Schon um 1 Uhr vollenden wir 92km und erreichen das Etappenziel. Wir fahren nicht weiter, es ist schlichtweg zu heiss, und übernachten in dieser Autobahnraststätte. Sie ist mittelmässig (riecht leicht nach Hundekacke) und alternativlos.

Nächster Tag: A, C, D
Unser zweitletzter Tag auf dem Fahrrad in Südamerika. Denn ab Barú, unserem heutigen Ziel, sind es nur noch 40km bis nach Cartagena (und ab da gehts per Segelboot nach Panama).

Kinderarbeit? Verbreitet. Die Esel transportieren Yuca, eine sehr leckere Wurzel. Schmeckt ähnlich wie Süsskartoffeln.

Barú ist eine Halbinsel bei Cartagena, bekannt für seine Traumstrände. Sie ist eigentlich ein Naturschurzgebiet, dennoch befinden sich alleine am Playa Blanca, am Hauptstrand, über 100 kleine Hotels. Der Twist dabei: Da es sich um ein Naturschurzgebiet handelt, baut die Regierung keine Infrastruktur. Soll heissen: Kein Strom, kein fliessendes Wasser, kein Abwassersystem und keine Müllabfuhr. Der Müll landet hinter den Hotels, das Abwasser – wer will das schon wissen😅. So viel zum Thema Naturschurz.
Die Preise sind dafür mindestens 3 Mal so hoch wie in anderen touristischen Orten. Das liegt daran, dass keine Strasse zu den Hotels führt und alles über Waldwege hierher getragen wird. Besonders Getränke macht dies lächerlich teuer.
Am Strand ist es dafür, trotz vieler Hotels und sehr vieler Gäste, vergleichsweise ruhig. Kein Strom = keine laute Musik. Abends starten dann alle ihre Generatoren, um die Bars bei Dunkelheit betreiben zu können, was weniger zur Ruhe beiträgt.
Wir haben eine Unterkunft bei Brian gefunden. Fränzi hat ihn via Couchsurfing kontaktiert. So kommt es, dass wir gratis eine Übernachtungsmöglichkeit direkt am Traumstrand haben, das gesparte Geld in Piña Colada reinvestieren und unsere letzten Tage in Südamerika feiern. Zur Unterkunft ist noch zu sagen: A & wir werden nachts von Moskitos zerpflückt.

Unsere Unterkunft, inkl. Bar.

Das ist mal eine echte Piña Colada! Bien hecho? Si!!

Wir stehen früh auf. Die Hitze und die Moskitos helfen uns beim Aufstehen. Schon vor 7 Uhr Morgens sitzen wir auf dem Fahrrad und sind auf dem Weg nach Cartagena. Unser letzter Fahrtag in Südamerika. Unglaublich! (Statistiken und ein kleiner Rückblick folgen in einem weiteren Beitrag). Die ersten 20km führen über bekannte Wege ab der Halbinsel. Die zweiten dann durch Industrie und Stadt. Unterwegs treffen wir zum ersten Mal, seit fast zwei Monaten, einen Fahrradreisenden. Er kommt aus Brasilien und möchte nach Mexiko. Mehr wissen wir leider nicht. Er spricht nur Portugiesisch, was die Verständigung etwas schwierig machte.

Er will nach Mexiko, lautet die Antwort auf all unsere Fragen. Viel Glück, wie auch immer du heissen magst.

Cartagena ist eine wirklich sehr schöne und auch sichere Stadt! Zum ersten Mal sagen uns auch die Einheimischen, dass man sich hier Nachts unbeschwert bewegen könne.

Cartagena war früher eine extrem reiche Stadt. Erst war sie der Verschiffungshafen für all das Gold was in Südamerika geraubt wurde, später war sie dann Zentrum des Sklavenhandels. Beides führte auch für Cartagena zu Wohlstand, was wiederum Piraten und schlechtgesinnte feindliche Staaten (England) zu überfällen einlud. Also baute man Stadtmauern und unzählige Festungen. Die Meisten davon sind heute noch gut erhalten. Für uns ist es eine der schönsten, oder vielleicht sogar die schönste Stadt Südamerikas.

Bis unser Segelschiff ablegt haben wir 8 Tage Zeit. Die ersten 4 Nächte verbringen wir in einen Airbnb und arbeiten unsere überraschend lange Todo-Liste ab. Für die übrigen 4 Nächte haben wir ein richtig edles Hotel gebucht. Zeit zum feiern, entspannen und Südamerika gebührend abzuschliessen.

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