Argentinien

Argentinien ist das erste Land auf unserer Reise in Südamerika. Wir haben aussergewöhnliche Gastfreundschaft erfahren und eine sehr schöne Zeit verbracht.

Reiseberichte

Abenteuer beginnen da wo Pläne enden

Erkundungstouren durch Buenos Aires

Die Reise beginnt

100 Kilometer gegen den Wind

Viel Regen und „s’Brot treibt“

Warten auf den argentinischen Sommer

Camping mit 70‘000 Papageien

Von der argentinischen in die chilenische Schweiz

Treffpunkt alte Polizeistation

36 Grad und es wird noch heisser…

Farbiges Nordargentinien

Wissenswertes über Argentinien

Argentinien ist ein riesiges Land. Dementsprechend gross sind die Unterschiede zwischen den Regionen. Wir haben auf unserer Reise die Region Buenos Aires, Neuquen, Patagonien, und diverse Provinzen des Nordens kennengelernt. Die Unterschiede sind leicht feststellbar. Der Norden ist generell etwas ärmer als der Rest Argentiniens. Die Häuser sind oft noch im Adobebaustil gebaut, es gibt mehr Streetfood und manchmal hat man den Eindruck sich bereits in Bolivien zu befinden. Im folgenden Beitrag werden wir teilweise auf regionale Spezialitäten eingehen.

Radfahren

Radfahren in Argentinien war überraschend angenehm. Die Autofahrer nehmen, ausserhalb von Städten, sehr viel Rücksicht. Ausser die Fahrer von Reisebussen, die sind manchmal loco. Dafür gibt es unendlich viele idyllische und verkehrsarme Strassen. Oft hatten wir die Strasse ganz für uns.

Routenplanung

Der bestimmende Faktor für die Routenplanung ist der Wind und die grossen Distanzen zwischen Übernachtungsmöglichkeiten. Dörfer liegen oft 100km oder mehr auseinander und sind durch eine lange gerade Strasse miteinander verbunden. Kommt der Wind von vorne, ist eine solche Strecke nur schwer zu bewältigen. Denn der Wind ist in Argentinien intensiv und flacht nur während der Nacht etwas ab. Zu 90% kommt er aber aus Westen. Somit dürfte es ein Genuss sein Argentinien von West nach Ost zu durchqueren, während die umgekehrte Richtung nicht zu empfehlen ist.

Übernachten

Camping

In den touristischen Regionen gibt es viele Zeltplätze. Ausserhalb sind sie eher die Ausnahme. Zwar besitzen einige Dörfer einen Camping, oft ist dies aber lediglich der öffentliche Park, welcher in der Nacht zugänglich und damit nicht viel Schutz bietet. Eine Nacht auf einem Camping kostet pro Person zwischen CHF 0.00 – 5.00. Die Ausstattung variiert stark und wird nicht unbedingt vom Preis reflektiert.

Wildes campieren ist in den landwirtschaftlich genutzten Regionen praktisch unmöglich (Zäune und kaum geschützte Plätze), z. B. in Patagonien oder im Norden aber gut möglich.

Hotels, B&B, Etc.

Hotelübernachtungen sind günstig. Bezahlt wird pro Zimmer und eine Nacht kostet zwischen CHF 15.00 – 40.00. Die Räume können und sollten vor der Miete besichtigt werden.

Ersatzteile

Dank strikten Importbedingungen sind gute Fahrräder und Ersatzteile nicht mal in Buenos Aires aufzutreiben. Selbst die Argentinier fahren nach Chile, falls sie gute Qualität kaufen möchten. Und die Bicicleterias in kleineren Dörfern, verfügen meist nur über Occasionteile alter ausgeschlachteter Fahrräder.

Fazit: Bring alles mit, was du brauchst.

Strassen

Ausserhalb der Ballungsräumen ist Argentinien sehr dünn besiedelt. Zwischen den oft weit auseinanderliegenden Dörfern gibt es in der Regel eine geteerte Strasse und manchmal zusätzlich einen holprigen Feldweg. Die Strassen sind generell in gutem Zustand, allerdings sind sie selten breiter als zwei kreuzende Lastwagen. Und da es die einzige Verbindung zum nächsten Ort ist, teilen sich die unterschiedlichsten Verkehrsteilnehmer die selbe Strasse, was zu brenzligen Situationen und Unfällen führen kann.

Autofahrer

Die Autofahrer sind, wie in der Einleitung erwähnt, generell rücksichtsvoll. Die Ausnahme sind einige Fahrer von Reisebussen, welche definitiv zu eng überholen.

Essen&Trinken

Das Essen und Trinken ist in jedem Land einer der wichtigsten Bestandteile der Gesellschaft und wiederspiegelt kulturelle und traditionelle Werte wieder. So auch hier im Südosten Südamerikas. Die Argentinier haben einige, in der Gesellschaft sehr stark verankerte Traditionen und Verhaltensweisen im Bereich des Essens und Trinkens.

Essen

Die argentinische Küche besteht zum grösstenteil aus Fleisch. Dies ist auch eines der günstigsten Lebensmittel überhaupt. Umgerechnet kostet 1kg ca. 4 CHF. Dabei wird aber fast das ganze Tier gegessen, inklusive Innereien, welche wir selber schon bei einem Asado (BBQ) probieren durften.

Das Asado ist wohl das wichtigste Gericht überhaupt. Es wird (von allen!) im Minimum einmal pro Woche mit der ganzen Familie oder mit Freunden zelebriert. Schon das Anfeuern des Grills mit Holz geschieht auf eine ganz spezielle Art und Weise. Damit das mit Salz eingeriebene Fleisch nicht zu schnell gart, oder gar verbrennt, wird nur die heruntergefallene Glut unter den Grill gelegt.

Danach gibt es auch eine vorgegebene Reihenfolge, was nacheinander serviert wird. Vor dem eigentlichen Asado gibt es eine ‚Picada‘ (sozusagen wie ein Apéro, Knabereien). Dazu gehören Salami, evt. Zwiebelkuchen, Käse und Brot.

Das Asado startet danach zuerst mit Chorizos, Blutwürsten und anderen diversen Würsten, dazu gibt es ein wenig Salat und Brot.

Darauf folgt das Bauchstück, Rippen etc. und zum Schluss das beste Stück (wobei es nicht mit einem zarten Filetstück zu vergleichen ist). Mit dem Essen beginnt man einfach sobald es serviert wird. „En Guete“ oder „buen proveggio“ sagt man erst zum Schluss des Mahles.

Ansonsten gibt es in den Restaurants und Bar‘s vor allem Fast Food wie Hamburger, Pommes, Pizza (aber nicht wie beim Italiener) und Fleisch. Es gibt auch einige Rotiserias wo es gebratenes Fleisch zum mitnehmen gibt. Oder Foodtracks die super leckere und einfache Choripan (Chorizo und Brot) anbieten, unser lieblings Snack!

Eine weitere Überraschung war für uns die Erkenntnis, dass es in Argentinien sehr leckeres Glacé gibt, welches es mit dem der Italiener durchaus aufnehmen könnte. Die Argentinier sind darauf sehr stolz und es gibt in fast jedem Ort mind. eine Heladeria welche ihr eigenes Helado herstellt. Dazu gibt es immer und überall Dulce de Leche, eine Caramelcreme.

Eine weitere Spezialität sind die Empenadas, mit Fleisch, Poulet, Schinken und Käse oder Gemüse gefüllte und gebackene Teigtaschen. Wir durften diese auch schon frisch und hausgemacht kosten bei einer Supercouchsurffamilie.

Ebenfalls gibt es in Argentinien oft Schnitzel, was sie Milanesa nennen. Das Fleisch dazu ist von der Kuh, und nach dem anbraten im Fett, kommt oft noch ein Spiegelei, Schinken und Käse oben drüber.

Der grösste Unterschied von Argentinien zur Schweiz sind nicht die Lebensmittel an sich, sondern die Essenszeiten. Das Frühstück gibts je nach Arbeitszeit individuell und besteht aus Mate und evt. Toast, Croissants (Medialunas) und Kaffee. Um ca. 13 Uhr ist Zeit für das Mittagessen (Almuerzo). Danach haben viele noch Zeit für eine Siesta, da die meisten Geschäfter zwischen 13.00 – 16.00/17.00 Uhr geschlossen haben und danach wieder öffnen bis ca. 21 Uhr. Je nach dem, kann um ca. 17.00 Uhr eine Picada eingebaut werden. Das Nachtessen (el cena) gibt es dann frühstens um 21, meistens jedoch um 22 Uhr oder sogar noch später. Bettzeit ist somit nie vor Mitternacht. Diese Zeiten werden mit oder ohne Job, ob freier Tag oder nicht immer eingehalten. Selbst Kleinkinder haben diesen Rythmus bereits verinnerlicht. Warum das so gehandhabt wird, kann uns keiner erklären, auch wenn die Argentinier selber darüber sagen, dass es „loco“ (verrückt) ist.

Trinken

Die, nebst dem wöchentlichen Zusammenkommen bei einem Asado, wichtigste kulinarische Tradition, ist das Trinken von Mate Tee. Dieser besteht aus einem heimisch angebauten Teekraut und wird in grossen Verpackungen so gut wie überall verkauft. Für das Trinken des Mates, gibt es extra Teebecher in den unterschiedlichsten Grössen und Farben (die Form ist aber immer gleich) mit dazugehörigen Trinkhalmen aus Chromstahl. Je nach Gusto, kann der Tee auch noch mit Zucker oder Stevia gesüsst werden. Der Teebecher wird bis obenhin mit dem getrockneten Mate gefüllt und dann mit heissem Wasser – auf den Wasserkochern hier gibt es eine Anzeige für die richtige „Mate- Temperatur“ – aufgegossen, und sofort getrunken.

Mate wird vor allem in der Gemeinschaft getrunken. So reicht man den Becher, wenn man ihn ausgetrunken hat, wieder frisch mit Wasser aufgegossen an eine andere Person weiter. Dies geht immer weiter so, bis das heisse Wasser aufgebraucht ist. Wenn man keinen weiteren Mate will, muss man sich, wenn man ausgetrunken hat, bedanken (gracias). Ansonsten wird immer wieder nachgereicht, was Stunden dauern kann. Mate wird überall, von allen und zu jeder Tageszeit getrunken. Wir wurden z. B. in einem North Face Store von den Verkäufern ganz spontan zu einem Mate „eingeladen“. Es ist dabei völlig üblich, den Strohhalm mit wildfremden Personen zu teilen. In den Parks treffen sich die Jungen Leute um abzuhängen und Mate zu trinken. Jeder besitzt eine Thermoskanne welche immer wieder mit heissem Wasser aufgefüllt und mitgetragen wird. Dafür gibts extra Taschen.

Es gibt auf öffentlichen Plätzen, Tankstellen etc. immer wieder Zapfsäulen für heisses Wasser.

Andere haben sogar in ihrem LKW einen Wasserkocher installiert.

Diese „Mate Tradition“ trägt dazu bei, dass viel weniger (oder zumindest weniger früh am Tag) Alkohol getrunken wird. Wenn man sich mit Freunden trifft, wird Mate getrunken, kein Bier.

Somit komme ich auch schon zur nächsten Kuriosität; das Trinken von Wein. Argentinien ist ein „Weinland“. Die Auswahl an heimischen Weinen in den Supermercados ist riesig und ein durchschnitts Wein kostet nur gerade 80 Pesos (ca. 2sfr). Aber die Argentnier trinken den Wein (auch qualitativ sehr guter Wein) immer eisgekühlt und geben manchmal sogar Eiswürfel hinein. Es kommt auch vor, dass sie ihn mit O-Saft oder Soda verdünnen und so geniessen. Auch wenn die auf der Ettikette angegebene optimale Trinktemperatur bei 15-18 Grad liegt?!

Wie auch bei uns, wird hier hauptsächlich Wein und Bier getrunken. Das Bier ist vielfältig und kostet im Laden etwa gleich viel wie in der Schweiz. Bestellt man in einer Bar ein Grosses, bekommt man oft eine Einliterflasche.